Eröffnung der ersten Philosophischen Praxis in Flörsheim am Main


Eröffnung der ersten Philosophischen Praxis in Flörsheim am Main

 

Nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit war es Mitte Dezember 2017 endlich soweit: Ich hatte alle amtlichen Unterlagen, Bescheinigungen nebst Siegeln bzw. Stempeln beisammen, Verwandte, Freunde/-innen und Bekannte waren informiert und auch eingeladen, die regionale Presse hatte einen netten „Vorabartikel“ punktgenau veröffentlicht, Getränke waren gebunkert und / oder kaltgestellt, Häppchen nebst „Canapés“ kreiert und auf einer weiß gedeckten Tafel sorgfältig drapiert, letzte Handgriffe erledigt, so dass der erste Gast klingeln und Einlass begehren konnte. Dies geschah dann auch durch den „Ersten Stadtrat“ der Stadt Flörsheim am Main, Herrn Sven Heß, gegen 10:42 Uhr. Somit war nicht nur die Türe meiner Philosophischen Praxis, sondern sie selbst eröffnet!

Sicherlich fragen Sie sich nun auch: Was um Himmels Willen ist denn bitte schön ein „Praktischer Philosoph“? Was macht denn dieser? Wozu braucht man den denn…—?! Was ein „Philosoph“ bzw. eine „Philosophin“ sein und tun könnte, nun ja, davon hat man und frau in aller Regel wenigstens eine vage Vorstellung oder Ahnung. Aber ein „Praktischer Philosoph“??

Seit über 2.500 Jahren wird im Nahen- und Mittleren Osten, im antiken Griechenland sowie dem sog. „Abendland“ nachweislich (mit Quellen belegbar) philosophiert. In Indien und Fernost reichen diese Quellen noch weiter zurück. Zumeist befasste sich Philosophie mit sehr praktischen Frage-Stellungen (z.B. Was soll ich tun?, Wie ist eine staatliche Gemeinschaft bestmöglich zu organisieren?, u.v.a.m.) und alltäglichen Problemen (etwa: ist lügen & betrügen, ist Gewalt & [Auftrags-]Mord zur Erreichung von Vorteilen und Zielen rechtens, wünschenswert, ‚gut‘?). Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam die „moderne Philosophie“ ein methodisch neuartiges Konzept, wodurch sich ihre Blick- und Frage-Richtung schwerpunktmäßig auf die „Theorie“ ausrichtete. Philosophie im eigentlichen Sinne war nun zu einer Spezial-Disziplin, zu einer reinen „Geistes-Wissenschaft“, an einer „Fakultät“ bzw. einem „Fachbereich“ der modernen Universität geworden. Und Philosophen waren nun Professoren bzw. Professorinnen auf einem „Lehrstuhl“, mit einem hieran gebundenen Forschungsauftrag. Die Besoldung durch die Universität ermöglichte es ihnen, sich ganz und gar „der Freiheit von Forschung und Lehre“ zu widmen (vgl. venia legendi). Was etwa einen Martin Heidegger (1889-1976, Spezialgebiet der „Fundamentalontologie“), einen Karl Jaspers (1883-1969, Spezialgebiet der „Periechontologie“ und „Existenzphilosophie“), oder einen Hans-Georg Gadamer (1900-2002, Spezialgebiet der „philosophischen Hermeneutik“) persönlich an einem Sachgebiet interessierte, das wurde nachfolgend als Fachgebiet zur neuen philosophischen Disziplin an Universitäten. So interessant all diese Forschungen auch gewesen sein mögen und auch heute noch immer sind, so bergen sie doch die Gefahr, dass sich die sog. „philosophia perennis“, die „voranschreitende Philosophie“, völlig losgelöst vom menschlichen Alltag in rein geistige Sphären fort-entwickelt. Dagegen setzte an den Universitäten selbst in jüngster Zeit eine Bewegung ein, die verstärkt wieder Wissenschaft und Alltag (interdisziplinär) zu vernetzen sucht.

Zurück zur Praktischen Philosophie. Ein Vordenker dieser Bewegung findet sich in Dr. Gerd B. Achenbach (*1947), der bereits 1982 die weltweit erste „Philosophische Praxis“ in Bergisch Gladbach gründete. Er wollte die theoretische Philosophie aus der Universität mit ihrem akademischen Diskurs herausholen und der Bevölkerung zugänglich machen. Das Spezialwissen von und über ferne Geistes-Sphären sollte heruntergebrochen und wieder alltags-tauglich gemacht werden. Andere junge Philosophen wie etwa Marc Sautet (1947-1998) schlossen sich dieser Idee grundsätzlich an, gründeten jedoch andere Begegnungs-Formen. Sautet gründete in Paris 1992 das erste „Café Philosophique“. Sowohl die Philosophischen Praxen (die beiden Berufsverbände zählen z.Zt. für den deutschsprachigen Raum ca. 150 Praxen) als auch die Philosophischen Cafés haben sich inzwischen europa- und weltweit etabliert.

 

Weitere, detaillierte Infos zu Philosophischen Praxen und ihren Arbeitsweisen können Sie meiner Homepage entnehmen.

 

Link-Kompass zur Praktischen Philosophie

http://www.praxis-gnothi-seauton.de/index.php/theme-styles/philosophie

 

 

Mein eigener Arbeitsansatz

Der programmatische Titel meiner Praxis — gnṓthi seautón! (erkenne Dich selbst!) — reicht als Denk- und Arbeitsansatz bis zu den Anfängen der antiken, griechischen Philosophie zurück. Die Sentenz wird Chilon von Sparta (um 556 v. Chr.), einem der Sieben Weisen, zugesprochen und soll über dem Eingang des Apollon-Tempels zu Delphie („Orakel von Delphie“) gestanden haben. Menschliches Erkennen ist auf drei große Daseins-Bereiche ausgelegt: 1. Selbst-Erkenntnis (wer bin ich?, was bin ich?, wie bin ich?, was und wie kann ich wissen / erkennen?), 2. „Welt“-Erkenntnis (Welt als dasjenige Dasein, das wir nicht selber sind, wodurch wir jedoch bestimmt werden [vgl. Karl Jaspers]; „Welt“ aber auch als „Immanenz“ und Gegenpol zu „Transzendenz“ sowie als „Konstrukt“ unserer eigenen Gedanken und Vorstellung), sowie 3. Erkenntnis von Transzendenz („Gott“ bzw. „Transzendenz“ als diejenige Wirklichkeit, die wir nicht selber sind, durch die wir uns selbst jedoch geschenkt wissen [Karl Jaspers], oder als transpersonaler Urgrund alles Seienden und Seins [vgl. Willigis Jäger]; der weite Bereich der Religionen und Mystik dieser Welt). Ich grenze meinen Arbeitsansatz auf die menschliche Selbst-Erkenntnis ein, da diese mit jeder Geburt aufs Neue beginnt. Anders gesagt: Was nutzt es mir, dass es einstmals einen Platon, Aristoteles, einen Kung-tse und Laotse, einen Patañjali, u.v.a. als Philosophen und Weise gab, wenn heute in meinem persönlichen Leben alles „drunter & drüber“ zu gehen scheint, wenn ich mich „hier & jetzt“ überfordert fühle, gestresst, von Burnout bedroht? (Ganz zu schweigen davon, dass es zudem auch noch „die Welt“ zu retten gilt…—)

Hier setzt meine Arbeit auf zweifache Weise an: im persönlich-vertraulichen Gespräch, aber auch mit einem an-die-Hand-Reichen (manducatio) von philosophischen Texten und Weisheitsworten. Im persönlich-vertraulichen Gespräch lassen sich Aspekte, Perspektiven, Standpunkte und -orte meiner selbst wie auch meines Selbst aufzeigen, bewusst-machen, klar-machen, „erhellen“ (Karl Jaspers „existenzphilosophischer“ Ansatz). Durch die Weisheits-Texte dieser Welt können wir uns geistig-existentielle Impulse aneignen, uns zu unserem Eigenen machen, die „Juwelen“ gleich unser Leben eigentlich / wesentlich wertvoll machen.

 

  1. Die Gesprächs-Formen im einzelnen:

„Basic“

Viele Mit-Menschen suchen heutzutage einen Gesprächs-Partner, der ihnen bei einem beliebigen Thema zuhört und womöglich einen anderen Standpunkt als den vertrauten und gewohnten, aufzeigt, nahe bringt, vermittelt. Vielleicht möchten Sie aber auch nur eine andere Perspektive als die gewohnte aufgezeigt bzw. angeboten bekommen. Es ist jedoch niemand zur Stelle, mit dem Sie sich besprechen und / oder beraten können.

Basic-Gespräche werden i.d.R. in meinen Praxis-Räumen vis à vis geführt.

 

„Classic“

Andere Mit-Menschen suchen eher ein persönliches Gespräch in einem „geschützten Raum“, jedoch keinen Psychologen, Coach, o.ä. . Sie möchten eine andere Meinung hören oder eine weitere Stellungnahme einholen, zu einem Thema, das ihnen „am Herzen liegt“ oder aber „auf den Nägeln brennt“.

Auch diese persönlich-vertraulichen Gespräche finden in meinen Praxis-Räumen vis à vis statt.

 

„perípatos“®

Für Mit-Menschen, die sich lieber in der freien Natur bewegen wollen, weil sie sich dort wohler und zugleich auch „geerdeter“ fühlen, biete ich „perípatos“®-Gespräche, d.h. Gespräche-im-„Voranschreiten“, an. Die Methode des perípatos geht auf Aristoteles (384-322 v. Chr.) und seine athenische Schule gleichen Namens zurück. Diese antiken Philosophen waren davon überzeugt, dass sich aus (theoretischen) Denk-Wegen (praktische) Lebens-Wege entfalten lassen. Das „Umherwandeln“ (gr. peripatéō) und „Voranschreiten“ war ein zentraler Teil ihrer philosophischen Methode. Heute kennen wir diese Bewegung etwa im Bereich der Trauerarbeit oder des Naturcoachings als „Gehspräch“. Bewegung und „Weg“ als die konkrete, persönliche Erfahrung von: „Mein Weg hat ein Ziel“; z.B. als die existentielle Reflektion des Wortes: „Der Weg ist das Ziel“. „Perípatos“®-Gespräche verhalten sich zum bloßen Schlendern oder reinen Spazierengehen wie „Pilgern“ zu „Wandern“. Hier bin ich im klassischen Sinne „hetairos“, Ihr „Weg-Begleiter“.

„Perípatos“®-Gespräche können z.B. in der sog. „Flörsheimer Schweiz“ stattfinden.

 

„Philosophisches Café“

Eine Sonderform des Gespräches bzw. des philosophischen Dialoges ist das sog. „Philosophische Café“. Hierbei treffen sich philosophisch interessierte Menschen und diskutieren ein (philosophisches) Thema diskursiv. Diese Begegnung findet in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen (wahlweise auch epikureisch: bei „Käse & Wein“…) in meiner Philosophischen Praxis statt. Das Gespräch wird jedoch moderiert, damit man sich nicht gänzlich in „Kaffee und Kuchen“ verliert.

 

Ausblick

Für das Jahr 2019 sind u.a. auch Gespräche via „Skype“ o.ä. internetbasierten Techniken angedacht. Das Internet mit seinen medialen Möglichkeiten eröffnet uns Chancen, Räume und Distanzen zu überbrücken und die „Welt“ in unseren jeweiligen Gesprächs-Raum einzuladen. Wir kennen das bereits von „Chats“ und „Social Media“. Ich werde daher diese „Konferenz-Module“ einerseits nutzen, um ortsunabhängig die Möglichkeit zum welt-weiten Gespräch zu eröffnen (nicht alle Menschen können oder wollen persönlich nach Flörsheim kommen). Wie ich andererseits mittels dieser Technik einen Beitrag zum aktiven Klimaschutz leisten möchte, da sie, anders als die Anreise per PKW o.ä., keine fossilen Brennstoffe für ihren Betrieb benötigt und somit zu einer positiven CO2– / NOx-Bilanz meiner Praxis beiträgt.

 

 

  1. Die Arbeit an und mit philosophischen Texten

Neben diesen unterschiedlichen Gesprächs-Formen bietet meine Philosophische Praxis zum anderen auch die Arbeit an und die Auslegung von philosophischen Texten an. Diese Kurse könnten u.a. für Schüler (z.B. Philo-Ags; Ethik-Kurse, u.a.m.), Studenten sowie für Philosophie-Interessierte relevant sein. Genaueres entnehmen Sie bitte meinem Seminar-Manager unter „Veranstaltungen“.

 

Das philosophische Langzeit-Projekt „Worte wie Sterne“

„In den Gärten der Wissenschaft“ (Titel eines Werkes von al Biruni, 973-1048 n. Chr., persischer Universalgelehrter), d.h. in den philosophischen Bibliotheken dieser Welt sowie im Digital-Universum des Internets lagern unzählige Weisheits-Worte, die wie Sterne in unser alltägliches Leben ausstrahlen und dieses erhellen können. Sie können uns „Wege“ aufzeigen und gleichzeitig „Geleit“ sein. Ich lade Sie ein, am Lebens-Sinn-Abenteuer der Wort-Lese aktiv teilzunehmen. Denn eigentlich reich werden wir erst durch jene „Diamanten“ und „Gold-Nuggets“, die wir nie mehr verlieren können, da wir sie auf der Ebene unseres Mensch-Seins, unserer eigentlichen „Existenz“, zu-eigen-gemacht, also uns angeeignet haben. Von Kung-tse, über die fernöstlichen Zen-Meister sowie die indischen Yogis, von Marc Aurel über die christlichen „Wüstenväter“, von den osteuropäischen „Chassidim“ über die Sufi-Orden des islamischen Kulturkreises, bis hin zum heutigen Dalai Lama — sie alle halten wahre Schätze an Weisheits-Worten für uns Heutige bereit und zur freien Verfügung.

Es ist m.E. daher gerade heute in der „Epoche des un-überbrückbaren Wider-Streites“ (gr. pólemos; heute zumeist: „clash of cultures“; aber auch innerhalb einer Gesellschaft wie die Beispiele Trump, May, Orbán, Erdoğan, etc.pp. zeigen) erneut an der Zeit, das Gemeinsame, das positiv uns Verbindende, das menschliche „Band“ (Karl Jaspers), das die Brücke zum Anderen zu schlagen vermag, wieder heraus-zu-arbeiten, erneut uns bewusst zu machen, erneut uns selbst zu eigen zu machen.

Aber selbst dann, wenn das „Welt-Geschick“ sich heute besser darstellen würde, ist es für jeden einzelnen Menschen „an der Zeit“, sich selbst einmal als „Perlen-Taucher“, als „Diamanten“- bzw. „Gold“-Sucher zu versuchen…— Denn wahre Selbst-Erkenntnis vollzieht sich nicht nur als Kartographierung der je eigenen „terra incognita“ in uns, sondern darüber-hinaus auch durch die Aneignung der Weisheit und Wahrheit von Anderen. Wahres Glück ist nicht käuflich. Aber gemeinsam können wir ein Sinn-volles und erfülltes Leben gestalten. Denn Sinn und (Mensch-)Sein bedingen ontologisch einander.

 

  1. Dies & Das

Falls Nachfrage nach anderen Formen und Wegen der Selbst-Erkenntnis bestehen sollte — etwa nach Erfahrungen der „Tiefenentspannung“, nach Naturcoaching, nach alternativen (Heil-)Methoden wie etwa Shiatsu, Quantenheilung, etc.pp. — werde ich externe Referenten/-innen und Coaches zu einem Workshop einladen.

 

 

 

Weitere, detaillierte Informationen zu meiner Philosophischen Praxis

finden Sie unter:

http://www.praxis-gnothi-seauton.de/

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