Serap


Serap

Im Mai oder im August hatte diese Liebesgeschichte begonnen, die zugegebenermaßen etwas Einseitiges hatte. Serap war über den Schulflur gelaufen mit einer Umhängetasche, was sonst fast niemand tat, dann hatte sie für circa drei Wochen Krücken, keine Ahnung mehr, wie sie in der Zeit ihr Zeug trug, jedenfalls wären diese drei Wochen gut gewesen dafür, sie mal anzusprechen, sowas wie „Kann man dir helfen?“- aber dann hatte sie keine Krücken mehr und das würde den Gesprächseinstieg erschweren. Serap war klein und hatte schwarze gelockte Haare und fast schwarze Augen und einen weichen, femininen Körper, wie eine Sanduhr, an den richtigen Stellen, aber eigentlich waren die Augen ausschlaggebend, wirklich, Serap war eine mysteriöse Gestalt. Keinen Mut, sie anzusprechen, also der Beschluss, eine Freundin (Maria) nach ihrer Nummer zu fragen, bekam sie, schrieb sie an. „Hey, wer bist du?“ Blablabla. Die Aufregung, Freude über ihre freundliche Reaktion, vielleicht hatte Maria Serap schon gezeigt, wer es war, der da an ihr interessiert war und sie war schon mal äußerlich interessiert, Fuß in der Tür. Nach zwei Wochen nur Whatsapp-Nachrichten (digitalisierte Kommunikation ist unpersönlich) die Frage, ob wir uns nach der Schule mal kurz unterhalten wollen, sie reagierte wieder freundlich, zustimmend. Dann hinter dem Gebäude der Schulkantine, sie lehnte bereits an einer der Tischtennisplatten, wir gingen gemeinsam zu dem großen Platz, wo alle Busse hielten, zwei Minuten reden und schweigen, spektakulär, weißt du, ach egal. „Du redest anscheinend auch nicht gerne so viel.“ Lachte. Vor den Sommerferien wollten wir uns treffen, so richtig, ein Date, aber Serap hatte nie Zeit, angeblich, keine Ahnung. In den Sommerferien war sie vier Wochen weg, okay, damals wirkte es so, dass wir einfach nächstes Schuljahr, was nun dieses Schuljahr ist, zusammenkommen, uns treffen, ein Paar werden. Wir gehören zusammen. Also begann dieses Schuljahr, Serap war im selben Sportkurs, was schlecht war, denn sie würde jede Woche sehen, was für ein ungeschickter schwacher Narr tatsächlich sich sonst unter dicken Pullis verbarg. Wir trafen uns dann doch nochmal unrichtig, nach der Schule und liefen umher in der Kleinstadt und unterhielten uns, über die Schule, über die Lehrer, der Junge, mit dem sie da sprach, war freundlich und langweilig und vor allem sehr routiniert darin, nichts über sich zu verraten und größtmögliche emotionale Distanz zu halten, aus Sorge davor, sich zu blamieren. An einem bestimmten Punkt wendeten wir, um wieder zurückzugehen, Serap drehte ein Art Pirouette und lachte, ein Moment Verzauberung, immerhin. Der Rest bis jetzt ist schnell zusammengefasst: Weiteres Nachfragen nach einem richtigen Treffen, sie ignoriert die Nachricht 6 Tage lang in den Herbstferien, dann schrieb sie „Wann?“

„Ne, habs mir anders überlegt. Du willst mich nicht treffen und das habe ich schon seit längerem kapiert. Aber das hättest du ja einfach sagen können, das bringt mich doch nicht um. Eigentlich bin ich gerade jetzt schon darüber hinweg. In Zukunft werde ich dich ignorieren, aber du hast ja schon davor damit angefangen, von dem her wird uns das kein Problem bereiten. Es ist nur schön für mich zu wissen, dass du keine Ahnung davon hast, wer ich im Gesamten bin. Tschüss, viel Glück für alles“

Wir ignorierten uns also, zumindestens für circa zweieinhalb Wochen. 

Dann, als Serap nicht geringste Anstalten machte:

„hey können wir morgen mal kurz sprechen oder hab ich endgültig versagt?“

„Es wäre nett, wenn du dich entgültig entscheiden würdest..“

„zwischen was?“

„Ob du jetzt vor hast mich zu ignorieren oder nicht zu ignorieren und es dabei auch vorzeitig bleibt. Es ist ein wenig anstrengend, immer zwischen den beiden zu wechseln, weißt du?“

„ja aber vielleicht hättest du mir auch einfach sagen können, ob du mich damals (fühlt sich schon wie ne ewigkeit her an) hättest treffen wollen oder nicht, ich meine, nach zehntausend jahren „wann?“ zu antworten ist ein bisschen uneindeutig gewesen, aber egal“

Hör zu, ich habe nichts dagegen neue Freundschaften zu schließen, aber bleib bitte bei einer Meinung. Nicht, dass du nächstes Mal kommst und meinst, ich ignoriere dich ab jetzt wieder. Ich habe darauf echt keine Lust.“

„wir können gerne freunde sein aber das ist nicht das was ich wollte,

also sag mir einfach ja oder nein ob wir uns mal treffen wollen und bitte nicht wann,

weisst du es würde mir schon reichen wenn du einfach nur nein sagst, wie oft muss ich das noch sagen, klar es würde mich traurig machen aber ich wäre dir nicht böse, warum auch? ich kann dich wirklich nicht verstehen, was war so schwer daran? weißt du, ich mag dich und ich kann es wirklich absolut verstehen wenn du mich nicht magst, dafür gibt es 1000 gründe, aber sag es doch einfach! ich mag dich wirklich sehr und wäre froh wenn wir nochmal anders anfangen. also ja oder nein?“

Sie: „Freunde ja, mehr nicht. Tut mir Leid“

„okay ja, wir können gerne freundschaftlich bleiben“

Serap: „Freut mich“

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