Beiträge von Johannes Chwalek


was gibt es neues?

was gibt es neues?   was gibt es neues? gar nichts. früher gab’s ziele, hat man sich gefreut   das jahr verlief wie die andren auch verliefen jetzt erzähl mal was   …packen die koffer, essen, gucken fernsehen und gehen schlafen   zehnmal dasselbe thema, das haben wir schon zehnmal durchgekaut


unser beider wort

unser beider wort   das glück des lehrers. gesetzte spuren. rückkehr nach vorne. nun geh!   verheißung band uns. allein sie fortzutragen? vergangenheute   du hättest das buch, das ich lese, gelesen – les’ ich es mit dir!   hier, mein freund, die schrift! du mir einst und ich dir nun – unser beider wort!


Durch die Wüste

Durch die Wüste   Heißer Sand, weiter vermag ich nicht zu blicken. Ohnehin schau ich   nur die Füße an, wie sie durch den Sand schlurfen; meine Füße sind’s.   Ein einfacher Trunk Wasser – mehr bedürft’ ich nicht, denke ich mir noch.   Der äußerste Rand des Bewusstseins sieht den Sturz in den heißen […]


ehe

ehe   mach doch licht an rauch nicht so viel iss doch was   den fernseher wie früher in den keller zu stellen wäre problematisch   wenigstens die pflanzen trocknen nicht aus   wollen wir uns nicht einen wellensittich kaufen?


ohne die flamme

ohne die flamme   die tage schöner begeisterung sind dahin ernste lese zählt   den dienst versehen will ich noch leisten, mein freund ward der glanz auch bleich   doch dies bleibt und hält; zerstiebte ich sonst ins all ohne die flamme   der hüter bist du – aller unbekümmertheit der jungen tage


Nach dem Igorlied

Nach dem Igorlied   Kriegerischen Geists zu sein, galt einst als Tugend bei den Chronisten.   „Lieber zerhauen werden, denn gefangen sein! Hinauf zu Pferde!   Meinen Kopf will ich hinlegen oder trinken aus dem Helm vom Don!“   Es waren Zeiten, als sich Wölfe noch drohend aus Schluchten drängten   und Adler schreiend Tiere […]


Die Braut Jerusalem

Die Braut Jerusalem   Das Schuljahr begann. Froh war ich, wieder zurück im Konvikt zu sein.   Entronnen dem Hass der Stiefmutter, der Feigheit meines alten Herrn.   Da trat der Präfekt, der mir wohlgesonnen war, in den Schlafsaal ein.   Er scherzte federnd, in heitrer Gelassenheit – wir war’n beisammen.   Alles ward anders […]


Wappne dich!

Wappne dich!   Nun überleg mal, ob du wirklich wollen sollst, was du dir erwünschst!   Hoffst du auf Ruhe? Erwarte das Gegenteil! Hoffst du auf dein Glück?   Erwarte die Angst vor dem Verlust des Himmels, in dem du dich wähnst!   Aber jetzt – was tun? Ist alles bloß Chimäre und sollte nicht […]


Leitbilder

Leitbilder   Es war in den Fünfzigern, ich lebte in einem Internat, empfohlen von meinem Pfarrer in der Provinz, damit das Abitur für mich erreichbar wurde. Unsre Leiter waren zwei Männer, die mir Eindruck machten. Sie wollten mithelfen, dass eine neue Zeit aufzöge und die Vergangenheit begraben würde. Sie setzten auf das Christentum, auf alte […]


Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 2

Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 2   Dokumentation und Präsentation der Arbeitsergebnisse   Im „Bergsträßer Anzeiger“ vom 14.2.1955 findet sich ein Artikel über die Neuordnung des Gemeindearchivs von Groß-Rohrheim, wo es u.a. heißt: „Mit dem 15. Jahrhundert treten wir in der Ortschronik von Rohrheim in eine Zeit, aus der im Archiv der Gemeinde Urkunden vorhanden […]


Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 1

Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 1   Vorbemerkung   Im Herbst des Jahres 1952 wurde Max Gorges ein Ausweis mit dem Wortlaut ausgestellt, er sei „vom Staatsarchiv Darmstadt und dem Herrn Landrat des Landkreises Bergstraße in diesem Kreis als Bezirksgemeindearchivpfleger eingesetzt“.[1] Weiter heißt es: „Er ist beauftragt, die Aufgaben der Archivpflege bei den Gemeinden des […]


Es waren Tage

Es waren Tage   Es waren Tage der reinsten Begeisterung und Blühwilligkeit.   Bis die Klage kam, dass hellster Traum bricht im Wort und stolzes Jagen   schwach wird, wenn gefügt. – Wirf Ermattung in die Luft! Trau dich dem Föhnwind   aus der alten Zeit, dass er dich tragen möge hinter die Grenze.


des meisters bild

des meisters bild   als der zauberer ihn zu bescheidenem ort einlud voller magie   hing eines meisters bild mit weißen haaren an des schreibtischs wand   kein wort fiel davon und auch später äußres nur ohne folgen noch   längst schwand der zaubrer spricht durch des meisters worte jeden tag zu ihm   dass […]


jenseits des verfalls

jenseits des verfalls   alles ausgereizt der zauber aufgelöst und nicht mehr vonnöten   was bleibt jetzt bestehn als lächelndes genügen von der matten art   als alles wissen ohne dabei glücklich sein und verführt zur tat   hoffen, auferstehn jenseits des verfalls. wer da mitreisen könnte


Hoffen und harren?

Hoffen und harren?   Ich warte; nun ja! Doch gehört sich das für mich, der ich haschte nach   den Schluchten-Rosen, naschte von dem goldnen Seim der Dolden? Zwar ist   das schöne Bildnis mir verloren gegangen, doch einst war es da!   Kann ich daraufhin nicht mit Ernst fortarbeiten? Mein Freund nickt mir zu; […]


Ihr ganzes Leben

Ihr ganzes Leben   Ihr ganzes Leben, äußerlich ein glanzvolles, wirkt’ sie für andre.   Was sie selbst wollte – wusste sie es überhaupt? Ging’s ihr verloren?   Ihr dringlichstes Tun: für den Mann und die Kinder. Der Mann – sehr berühmt –   tat kaum einen Schritt in die Öffentlichkeit, wenn sie nicht dabei […]


plötzlich ist ein auto da

plötzlich ist ein auto da   autos mit defektem licht auf deutschlands straßen plötzlich ist ein auto da gar kein licht oder ein halbes mit nur einem licht auch eins mit geringerem licht rechts oder links vorne ist ein hingucker


Bericht des Amtmanns a.D., vierter und letzter Teil

Bericht des Amtmanns a.D., vierter und letzter Teil   Wenn ich heute darüber nachdenke, fallen mir nur wieder Fragen ein. Sie betreffen die Eltern, die nicht in der Lage waren, ihren Kindern adäquate Lebensumstände zu bieten. Bis heute hat sich daran nichts geändert, dass immer wieder ein, wenn auch glücklicherweise geringer Prozentsatz von Eltern versagt […]