Blog


FUND IM TAGEBUCH

Thomas BergerAusgewählte Haiku, veröffentlicht 2022 in der internationalen AnthologieFUND IM TAGEBUCH, Neue Cranach Presse Kronach, S.19, 33, 48 Zwei Segelfalterglückselig im Liebesspiel −blind für die Gefahr. Fünf junge Birkenim kühlenden Märzenwindflüstern vom Sommer. Weite der Landschaftnach beschwerlichem Aufstieg.Der Greis blickt zurück.


nebel deckte nie

nebel deckte nie das fernabliegende land der studienjahre welche kräfte die der zeit zum meister sich erheben  


Aphrodite

Rezension von Thomas BergerSOMMERGRAS. Vierteljahresschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft e.V.Juni 2018 – Nummer 121, S. 48/49   „Ein Haiku, das mich besonders anspricht“ Aphrodite – die warme Haut des Marmors (Gerd Börner)   Ein Dreizeiler, also wenige Worte nur, und doch mehreres, das Aufmerksamkeit hervorruft. Von einer olympischen Göttin ist die Rede – und das im […]


meine mutter starb

meine mutter starb ich musste in die abtei in die studien dort befand ich mich wohl – such mit dem mühlstein zu tanzen  


MITTEN IM NEUEN DAS ALTE

Thomas Berger MITTEN IM NEUEN DAS ALTEZur Lyrik von Johannes Chwalek Dreiundzwanzig der zahlreichen Gedichte des Mainzer Autors Johannes Chwalek (geb. 1959 in Flörsheim am Main), zuletzt veröffentlicht auf dem Blog von Petra Seitzmayer (SchreibArt) – was lässt sich über die Texte sagen? Die Gedichte tragen teils eigenständige Titel, teils sind Zeilen aus den Texten […]


es war eine zeit

es war eine zeit wo ich gleichmütig lebte im takt der stunden – und mehr als das: in allem vibrierte stiller jubel  


es war eine zeit

es war eine zeit wo mein kindlich wort im ohr des freundes gewann währe was einst gewesen tauche in stehendes jetzt


UNTER MÖWEN

  Thomas Berger, Unter Möwenaus: Thomas Berger / Ilse Heller, Orte und Worte. ImpressionenFrankfurt am Main 2016, Seite 67   UNTER MÖWEN   Wie verlockend die Insel in reizvoller Leere des Winters   Über die Richtung der Wanderlust entscheidet der Wind   Schauspiele des Lichtes Wolken in stürmischem Tanz   Sorglos atmen am Strand und […]


bekenntnis eines nachtmenschen

bekenntnis eines nachtmenschen   ich bin ein abendmensch mehr noch ein nachtmensch der morgen ist für mich schlimm und mittags muss ich schlafen   am nachmittag strecke ich mich die lebensgeister suchen mich nun kann der tag beginnen ich werde eleganter   nachts freu ich mich des daseins die ideen schmeicheln mir ich setze an […]


MIT PAUL GERHARDTS LIEDERN DURCH DAS JAHR, 2018

    Thomas Berger MIT PAUL GERHARDTS LIEDERN DURCH DAS JAHR, 2018 (Auszug) Paul Gerhardt, der Schöpfer zahlreicher Gedichte und Liedtexte, lebte in der Zeit des Barock. Die Bezeichnung eines bestimmten Stils in der europäischen Kunstgeschichte wurde auch für die Literatur des 17. Jahrhunderts verwendet, also für die Epoche zwischen dem Ende von Renaissance und […]


Es war eine Zeit

Es war eine Zeit, wo im Speisesaal unser Geschirr klapperte. Der Kameraden denk ich, allein vor meinem Teller.


WEGE

Thomas Berger, aus:Am Wegesrand. Einkehr im Garten der Worte. GedichteEdition Märkische LebensArt Storkow (Mark), 2017, S. 158   WEGE   Wäre der Boden aus Sand über den das Leben mich führt   und wäre der Boden aus Sand über den das Leben dich führt   blieben wo immer ich geh   blieben wo immer du […]


besäß‘ ich alles

besäß‘ ich alles deine alte wohnung die freiheit nach meiner façon um glück zu werben fehlt‘ mir immer etwas: du  


HAIKU AM MEER

Thomas BergerHAIKU AM MEER Abenddämmerung.Durch die Föhren streicht der Wind,atmet Ewigkeit. Dem Wellengesang,den Rufen der SeevögelHand in Hand lauschen. Ein Tropfen im Meerist wie ein Mensch in der Zeit:namenlos beide. Im Dünenhafermahnt uns das Möwenskelett, nichts zu versäumen. Mit nackten Füßen schlendern wir im Wellensaum – kein Wunsch mehr offen. Die Flut spült sie fortunsere […]


siebziger ade

siebziger ade   die vw käfer kassetten plattenspieler große hemdkragen   die bunten kleider großflächige tapeten rot und schwarz und gelb   der körper spielt‘ mit zwei stufen gern auf einmal haar wippt‘ schulterlang   die lehrer rauchten im lehrer-raucherzimmer bald pflegte auch ich   edlen pfeifenschmauch das leben lag noch vor mir siebziger ade […]


die blaue stunde

die blaue stunde in der abenddämmerung nimmt dir die larve vom gesicht – schwebender hauch kaum noch rührt dein fuß den grund  


ÜBERSCHRITT

ÜBERSCHRITT Zeitenwind trägt was wir geschaffen hinweg   Erdenreich macht was wir gewesen zu Staub   Bleibt nur das Wort


der sommer der mich

der sommer der mich trägt geschah in meinem lenz vereintes leben rann in freudigem lauf zu des himmels brennendem blau