Beiträge von Johannes Chwalek


nächtliches erwachen

nächtliches erwachen   als kleiner junge im bett der großeltern reifenquietschen türenschlagen der schrei einer frau ein auto rast davon wieder nachtstille die großmutter und ich erwacht nah am geschehen – welchem? wir sprechen kurz gesichert im haus geborgen im bett  


mit den jahren

mit den jahren   mit den jahren wächst die sehnsucht nach der mystik ob dies noch was wär denn das leben hat uns schon seinen trug geoffenbart  


heut wär ich anders

heut wär ich anders   heut wär ich anders ich wüsste es zu schätzen und ich machte mehr doch die götter leihn kein pfand sonst solltet ihr mal sehen


Wunsch des Chronisten

Wunsch des Chronisten   Chronist will ich sein, die Geschehnisse von einst protokollieren, mehr jedoch den Geist fassen, wie er fortwirkt aus der Zeit.  


Dreischritt

Dreischritt   nichts kann mir den glanz der alten zeit erneuern abglanz – gnadenbrot   nichts kann mir den glanz der alten zeit erneuern abglanz – immerhin   nichts kann mir den glanz der alten zeit erneuern abglanz – hüter sein    


„Unbeschwerte Stunden des Erzählens. Erinnerungen“ – Rezension

„Unbeschwerte Stunden des Erzählens. Erinnerungen“ von Johannes Chwalek Stuttgart: Scholastika Verlag, 2023. ISBN 978-3-947233-79-3. 154 Seiten. Preis: 14,- Euro. Rezension von Rüdiger Jung   bücher vergilben der weg alles irdischen in meinem besitz   Von diesem Dreizeiler her, in seiner herrlichen paradoxen Struktur, liesse sich das ganze Buch verstehen. „bücher“ – ein Kondensat, um Wissen […]


Geborgen im Zeitenstrom. Haiku-Dialoge

Rezension: Jennifer H. Weber und Thomas Berger: Geborgen im Zeitenstrom. Haiku-Dialoge Fuldatal 2023 (edition federleicht)   Es ist noch zu berichten von einem liebevoll gestalteten Band mit dem Titel „Geborgen im Zeitenstrom“ und dem Genrehinweis „Haiku-Dialoge“. Jennifer H. Weber und Thomas Berger haben ihn verfasst; die Autorin steuerte zusätzlich siebzehn Tuschezeichnungen zweier Kraniche bei, die […]


Mädchen in der Stadt

Mädchen in der Stadt   „Ich esse zu Haus, nirgendwo will ich essen als zu Haus, Papa!“, ruft das Mädchen in der Stadt, stapft mit dem Fuß auf Asphalt.


Von immer mehr Volk

Von immer mehr Volk   „Im einundzwanzigsten Jahrhundert ist das nicht mehr zeitgemäß“, sagt der blasse Hagere mit Leichenbittermiene. Er gehört der Fraktion für Buntheit und Vielfalt an, wird jedoch von immer mehr Volk als Totengräber gesehen der Buntheit und Vielfalt des Lebens.


Wenn ich fort bin

Wenn ich fort bin, fragt niemand mehr; rasch bin ich fort. Vor mir und nach mir gings und geht’s im gleichen Stil. Wer also sollte fragen?  


Unbeschwerte Stunden des Erzählens

    Unbeschwerte Stunden des Erzählens – in meiner Jugend erlebte ich sie, ungefähr über zwei Jahre hinweg, als ich während der Schulwochen meinen Mentor aus dem Internat in seiner Pensionärswohnung besuchte und wir in zwei Sesseln um ein rundes Tischchen mit Tee und Gebäck saßen. Heute, gut fünfundvierzig Jahre später, werde ich, so hoffe […]


vor der kamera

vor der kamera   an der hauptpforte des konvikts steht das kind der großmutter tor und überall steht ehemals fröhlich springt das kind davon


kaum begriffnes sein

kaum begriffnes sein von einst in unsren herzen was rührt noch an die alt gewordnen tage – dein blick dein wort dein händedruck


ins schweigen ziehen

ins schweigen ziehen o du ruhe des grundes die freude versiegt am putze über das kind beugt sich die mutter herab  


der leopard trinkt

der leopard trinkt als ihn ein krokodil reißt und ins wasser dreht das elegante raubtier lebloses fleisch in der flut  


nicht zu leugnen ist’s

nicht zu leugnen ist’s müde bin ich geworden alter schwung versiegt von purpurglühnden jahren entsendet er mir grüße  


Aus stiller Schwärze

Aus stiller Schwärze Thomas Berger zu eigen   Stört dich die Helle? Schlaf gefällt sich im Dunklen, auch Silentium sei, dass aus der stillen Schwärze sich die lichte Tat gebiert.