Beiträge von Richard Wisser


Kurzgedichte

FORT-SCHRITT DER BEINE   Die Lust am Gehen Bleibt auch des Fortschritts Motor. Zum Weg wird „weg“ von, Abkehr und Wendung zum Ziel. Fortschritt liegt in den Beinen.   PREIS-WERT?   Sind auch nicht alle Werte es wert, erinnert Zu werden, ihr Wert Hängt nicht von der Währung, nicht Von Gewinn, von Verlust ab.   […]


Kurzgedichte

STEIGERUNG   Besser gut leben, Als einzig vom „besseren Leben“ nur träumen. Am besten ist allerdings: Ein „gutes“ Leben führen.   TUN SETZT SEIN VORAUS   Wer meint, es wäre Besser, wenn die Menschen nie Geboren würden, Vergisst, dass Mensch-Sein gut ist, Böse der Missbrauch des Seins.   AUSGEZOGEN ANGEZOGEN   Tätowierung, selbst Kleider auf […]


WIDERSTAND

WIDERSTAND   Längere Zeit auf Der Höhe sich zu halten, Ist eine Kunst, wo Es auch sei, denn es reißt die Zeit empor, was sie verschlingt.   LICHTBLICKE?   Gegenwart, wird sie Durchschaubar gemacht, wenn die Rückblende leuchtet? Man stöbert manch Ursache auf, Doch nur, was man brauchen kann.   SPRACH-SPIEßER   Hilft, wenn die […]


GEDICHT UND GESICHT

GEDICHT UND GESICHT   Gedicht verdankt den Absprung ins Mögliche, ins Bare den Bildern, Öffnet den Augen den Mund, Birgt ins Wort schwindend Gesicht.   MAG SEIN   „Die Kunst offenbart.“ Dahingesprochener Satz? Zelebriert als Schatz Heiligen Wissens gelingt Ihm, das Aug’ zu verdrehen.   MYTHOLOGISCHES   Mythische Landschaft Nennt man, wo Mythos einstens Gespielt. […]


UNS IST GEHEISSEN: Kurzgedichte

UNS IST GEHEISSEN   Widerspruch lässt sich Hören. Lauter tönt Anspruch. Still geworden ist Es um Zuspruch. Vergessen Ist längst: Entsprechen dem Spruch.   NICHT AUFGEBEN   Erst als er nicht mehr Ein noch aus wusste, sah er, Worauf es ankommt: Solange es ist, heißt sein, Selbst im Zweifel noch, hoffen.  


PERSONA IN PERSONA?

PERSONA IN PERSONA?   Was heißt schon, schlimm sei Das Gesicht zu verlieren, Wenn man erkannt hat: Die schlimmste aller Masken Kann das eigne Gesicht sein.   VISAGE VISAVIS   Selbstbespiegelung? Gewiss, als Gestalt sehe Ich mich im Spiegel, Sehe mir in die Augen. Doch mich selbst sehe ich nicht.   ENTDECKUNG DES NEUEN   […]


Kurzgedichte

ZEIT HAT IHRE ZEIT Zumeist, was geschieht, Kommt zu früh oder zu spät. Nur der Blitzstrahl trifft. Grell aufleuchtend verglüht er, Kommt und geht zu seiner Zeit.   VORÜBERGANG DES AUGENBLICKS Es dürfte wohl, was Gewesen, Sehnsüchtigem Ins Sein verhelfen, Wenn, einstmals einst, dermaleinst, Herkunft die Zukunft berührt.   ZEITVERTREIB DER ZEITEN Ab und zu […]


LEERE UND LINIE

LEERE UND LINIE Raum ohne Ende, Leere legt bloß allerseits, Weggefegt alles, Selbst des Himmels Wölbung plan, Umriss schafft Körper, Gestalt. Linien bin ich Dankbar, sogar in des Punkts Anfang und Ende. Linie hebt aus dem Nichts Raum, lässt selbst Leere leer sein.   DER ABEND VERSINKT Ins Licht gekehrt Die Haut abgründigen Meers: Aus […]


SEHENLERNEN

SEHENLERNEN   Wem es gelänge, Abzusehen von sich, dem Gingen die Augen Auf. Er lernte, erlernte Zu sehen und Zusehen.   EINDEUTIG ZWEIDEUTIG   Augen nehmen wahr, Solange sie „offen“ sind. Zungen sprechen klar, Nehmen kein Blatt vor den Mund, Sofern sie „redlich“ bleiben.   FÄRBEN   Farben, dienstbar der Werbung, täuschen, locken wie Blüten […]


OHREN- UND AUGENSCHMAUS

OHREN- UND AUGENSCHMAUS   Wann wohl gelingt es, „Sprüchen“ ins Wort zu fallen, Glatter Zunge Schliff Bloßzustellen und aus der Fassung Slogans zu bringen.   Wie auch wehrt man dem, Was ins Auge springt, gestylt, Oder poppig bunt Den Sehnerv runtergeht, glatt, Augenschmaus nach Zungenschmaus?   DAS ENDE DAUERT   Das Ohnmächtige, Sei es, dass […]


NABELSCHAU

NABELSCHAU   Sind es die Gleichen, Die zwar die Hälse gedreht, Aber die Sitze, Um die sich auch heute die Welt dreht, behalten haben?   WENDE WOHIN?   Heute ist viel von Wende die Rede. Man meint: Dem Verkehrten den Rücken kehren. Versäumt wird Das Wichtigste: Zuwendung.   KÜNSTLICHE BLUMEN   Kirchhof, auch Friedhof Genannt, […]


Kurzgedichte

BESORGNIS ERREGEN   Schlagwort als Strohhalm: „Destabilisation“. Durchschaut die Tendenz! Letzte Rettung eigener Macht Durch Beschwörung der „Ordnung“.   REMEDUR   Reicht, wenn der Karren Im Dreck, es wirklich aus, nur Die Garnitur zu wechseln Und einzig und allein die Zugpferde abzuhalftern?   ZWEIFELHAFTES LOB   Dass sie ihn oben Behalten, den Kopf, spricht für […]


Kurzgedichte

VERLAUTBARUNGEN   Spruchbänder, prall im Wind, blähen die Sprechblasen. Schriftrollen walzen Zitate, Diktate aus, Lauter laut Verlautbartes.   DIKTA-LITERA-TOUR   Literatur in Diktatur übersetzen, Ein erster Schritt, die Diktatur goutierbar, lesbar, Buchstäblich zu machen.   WAHL-Entscheidung   Im Alten Rom hing Tod oder Leben von der Daumenstellung ab. Bringen Daumenabdrücke Frieden in Mangua?   GENOSSEN […]


Kurzgedichte

Kurzgedichte RESTAURATION   Dass es töricht ist, Farbtöne alter Fresken Dem Niederschlag, Staub Und Schmutz gar, anzupassen, Wer merkt es, handelt gemäß?   NAMENSGEBUNG   Werden Häuser nicht Der Fassade wegen, nicht Dem Gebrauch nach benannt, Sinds gewiss Geburtshäuser, Vielleicht auch Sterbehäuser.   ZU KURZ GEGRIFFEN   Resümé schmälert Zur Lehre Philosophie. In Dikta bläht […]


WIR SIND DER WEG

WIR SIND DER WEG   Sei, was du bist, verwegen! Lass uns verwegener sein als alle die Wege, die man uns weist! Denn: nicht die Wege allein, nur die Be-wegung bringt uns voran.   Menschsein heißt: werde Sein! Will sagen: wir sind der Weg. Es mag der Wege Spur und Verlauf führen von hier uns […]


MENSCHLICHE VERBRÜDERUNG

MENSCHLICHE VERBRÜDERUNG   Gemeinsamkeit! Doch Wie lange noch zweideutig? Wer überwindet, Was nur „mein“ oder „gemein“, Selbstisch oder bloß schäbig?   SOWEIT IST ES GEKOMMEN   Neuerdings Anlass, Menschen leben zu lassen, Weil die Kadaver- Beseitigung schwieriger. Perversion der „Menschlichkeit“.   MISSBRAUCHTER SPRUCH   „Nur Gast auf Erden“ Nicht zur Begründung nehmen, Sich in Gasthäusern […]


KAMAKURA

KAMAKURA   GLOCKE   Entriegelt der Blick, Und das Ohr lauscht der Glocke. Räume tun sich auf.   Geäst lässt Augen Den Himmel schauen. Glocke Braucht Anstoß und Ohr.


KAISERLICHER GARTEN IN TOKYO

KAISERLICHER GARTEN IN TOKYO   Wassergraben   Sanft gleitet der Schwan, Rotes Blatt im Gefieder. Auch der Herbst küsst noch.   Mächtige Quader, Gefügt nach menschlichem Plan, Trotzen und schützen.   Zyklopenmauern, Zeitlos starr, doch herbstlicher Farn in den Ritzen.