Beiträge von Richard Wisser


Sprich du mit mir

Sprich du mit mir   Sprich du mit mir, wenn der Herbst naht, wenn die Zweifel steigen und die Sonne Fäden zieht!   Sprich du mit mir, wenn der Schnee fällt und wenn, unerträglich, Stille die Seele totschweigt!   Sprich du mit mir, wenn mein Ende beginnt. Dass zur Jenseit ich find, verdanke ich Dir!


Lichterlohes Zwielicht an der Grenze

Lichterlohes Zwielicht an der Grenze   Du hörst die Stille, wenn dein Atem stockt, begreifst die Nähe, weil die Ferne lockt.   Du liebst das Leben, so’s vom Tod bedroht. Du siehst die Dunkel, wenn die Glut aufloht.   Vergiss die Ferne – dich erschlägt die Not. Vergiss die Nähe – bist du dann nicht […]


Rückkehr winkt

Rückkehr winkt   Nimm, wenn du das Meer betrittst, die Taube mit; denn die Nadel versinkt.   Steck’, der du an Heimkehr denkst, den Ölzweig auf; denn der Rabe versagt.   Bleib’, so dich die Ferne kränkt, den Sternen treu, ihrem Lichtergebirg.   Breit’, falls deiner Sehnsucht Lot kein Echo wirft, die Erinnerung aus.


Wortblick

Wortblick   Einlass heischend, Sesam-Worte, Blicke, klopfend an das Tor, Welt im Herzen und im Rücken, tasten sich Gedichte vor.   Was sie ahnen und ersehnen, oft nur durch den kleinsten Schlitz, reicht, um reichlich zu verstehen Unterschied von Irr- und Witz.   Ist der Einblick erst gelungen, spurt das Spüren; denn Gedicht bleibt sich […]


Eingeständnis

Eingeständnis   Frag nicht: Habt ihr denn je, frag, ob du hast, getan hast, was nötig war, ja, was am Ende gar einzig dein Auftrag war!   Sag nicht, du seist enttäuscht, stell dich doch dir, bedenk, worin du gefehlt, solches, was du verhehlt, wo es an dir gefehlt!   Frag dich! Antworte dir! Forum […]


UNGEREIMTES?

UNGEREIMTES?   Leicht übersieht, wem Die Übersicht fehlt, manches, Übersieht statt sieht.   Fehlt die Übersicht, Leicht übersiehst du oder Siehst dich gar über.   Überhören meint Zweierlei: Hören und nichts Sagen, nicht hören.   Hört Überhören? Es hört und schweigt, hört nicht und Hört – jemanden ab.


Kurzgedichte

DEN OHREN TRAUEN   Gemeinhin und oft Sitzt auf den Ohren Hören, Bleibt beim Gesagten. Dann überhört das Gehör, Traut dem Mund, nicht den Ohren.   TRENNUNG EINT   Grenzen gebieten: Bis hierher und nicht weiter, Hüben und Drüben! Ungewollt bindet Trennung Gegeneinanderüber.   WORT UND BILD   Ergreift die „Sprache Der Bilder“ das Wort, […]


Kurzgedichte

FORT-SCHRITT DER BEINE   Die Lust am Gehen Bleibt auch des Fortschritts Motor. Zum Weg wird „weg“ von, Abkehr und Wendung zum Ziel. Fortschritt liegt in den Beinen.   PREIS-WERT?   Sind auch nicht alle Werte es wert, erinnert Zu werden, ihr Wert Hängt nicht von der Währung, nicht Von Gewinn, von Verlust ab.   […]


Kurzgedichte

STEIGERUNG   Besser gut leben, Als einzig vom „besseren Leben“ nur träumen. Am besten ist allerdings: Ein „gutes“ Leben führen.   TUN SETZT SEIN VORAUS   Wer meint, es wäre Besser, wenn die Menschen nie Geboren würden, Vergisst, dass Mensch-Sein gut ist, Böse der Missbrauch des Seins.   AUSGEZOGEN ANGEZOGEN   Tätowierung, selbst Kleider auf […]


WIDERSTAND

WIDERSTAND   Längere Zeit auf Der Höhe sich zu halten, Ist eine Kunst, wo Es auch sei, denn es reißt die Zeit empor, was sie verschlingt.   LICHTBLICKE?   Gegenwart, wird sie Durchschaubar gemacht, wenn die Rückblende leuchtet? Man stöbert manch Ursache auf, Doch nur, was man brauchen kann.   SPRACH-SPIEßER   Hilft, wenn die […]


GEDICHT UND GESICHT

GEDICHT UND GESICHT   Gedicht verdankt den Absprung ins Mögliche, ins Bare den Bildern, Öffnet den Augen den Mund, Birgt ins Wort schwindend Gesicht.   MAG SEIN   „Die Kunst offenbart.“ Dahingesprochener Satz? Zelebriert als Schatz Heiligen Wissens gelingt Ihm, das Aug’ zu verdrehen.   MYTHOLOGISCHES   Mythische Landschaft Nennt man, wo Mythos einstens Gespielt. […]


UNS IST GEHEISSEN: Kurzgedichte

UNS IST GEHEISSEN   Widerspruch lässt sich Hören. Lauter tönt Anspruch. Still geworden ist Es um Zuspruch. Vergessen Ist längst: Entsprechen dem Spruch.   NICHT AUFGEBEN   Erst als er nicht mehr Ein noch aus wusste, sah er, Worauf es ankommt: Solange es ist, heißt sein, Selbst im Zweifel noch, hoffen.  


PERSONA IN PERSONA?

PERSONA IN PERSONA?   Was heißt schon, schlimm sei Das Gesicht zu verlieren, Wenn man erkannt hat: Die schlimmste aller Masken Kann das eigne Gesicht sein.   VISAGE VISAVIS   Selbstbespiegelung? Gewiss, als Gestalt sehe Ich mich im Spiegel, Sehe mir in die Augen. Doch mich selbst sehe ich nicht.   ENTDECKUNG DES NEUEN   […]


Kurzgedichte

ZEIT HAT IHRE ZEIT Zumeist, was geschieht, Kommt zu früh oder zu spät. Nur der Blitzstrahl trifft. Grell aufleuchtend verglüht er, Kommt und geht zu seiner Zeit.   VORÜBERGANG DES AUGENBLICKS Es dürfte wohl, was Gewesen, Sehnsüchtigem Ins Sein verhelfen, Wenn, einstmals einst, dermaleinst, Herkunft die Zukunft berührt.   ZEITVERTREIB DER ZEITEN Ab und zu […]


LEERE UND LINIE

LEERE UND LINIE Raum ohne Ende, Leere legt bloß allerseits, Weggefegt alles, Selbst des Himmels Wölbung plan, Umriss schafft Körper, Gestalt. Linien bin ich Dankbar, sogar in des Punkts Anfang und Ende. Linie hebt aus dem Nichts Raum, lässt selbst Leere leer sein.   DER ABEND VERSINKT Ins Licht gekehrt Die Haut abgründigen Meers: Aus […]


SEHENLERNEN

SEHENLERNEN   Wem es gelänge, Abzusehen von sich, dem Gingen die Augen Auf. Er lernte, erlernte Zu sehen und Zusehen.   EINDEUTIG ZWEIDEUTIG   Augen nehmen wahr, Solange sie „offen“ sind. Zungen sprechen klar, Nehmen kein Blatt vor den Mund, Sofern sie „redlich“ bleiben.   FÄRBEN   Farben, dienstbar der Werbung, täuschen, locken wie Blüten […]


OHREN- UND AUGENSCHMAUS

OHREN- UND AUGENSCHMAUS   Wann wohl gelingt es, „Sprüchen“ ins Wort zu fallen, Glatter Zunge Schliff Bloßzustellen und aus der Fassung Slogans zu bringen.   Wie auch wehrt man dem, Was ins Auge springt, gestylt, Oder poppig bunt Den Sehnerv runtergeht, glatt, Augenschmaus nach Zungenschmaus?   DAS ENDE DAUERT   Das Ohnmächtige, Sei es, dass […]


NABELSCHAU

NABELSCHAU   Sind es die Gleichen, Die zwar die Hälse gedreht, Aber die Sitze, Um die sich auch heute die Welt dreht, behalten haben?   WENDE WOHIN?   Heute ist viel von Wende die Rede. Man meint: Dem Verkehrten den Rücken kehren. Versäumt wird Das Wichtigste: Zuwendung.   KÜNSTLICHE BLUMEN   Kirchhof, auch Friedhof Genannt, […]