Beiträge von Richard Wisser


Wo nichts mehr geht, lauert der Tod

Wo nichts mehr geht, lauert der Tod   Alles geht in diesem Leben. Nichts entgeht der Zeiten Gang. Auch die Räume sich durchdringen. Grenz’ und Anhalt weicht dem Drang.   Anfang, Ende geht von hinnen. Was beginnt, beschließt – ver-geht. Gehen hält die Welt zusammen, macht zugleich, dass nichts besteht.   Welches Bild vermag zu […]


Von Toten lernen

Von Toten lernen   Ihr wart, doch seid noch im Gedächtnis. Wie ihr’s gehalten, bleibt Vermächtnis.   Gesucht, gefunden hat die Sehnsucht, die euch zeitlebens trieb, die Zuflucht. Ihr seid entbunden eures Strebens.   Noch ist, wer blickt, dem Vorn verpflichtet, Zukunft erwartend ausgerichtet.   Doch ihr, ihr Toten, unvergessen, wie ihr das Treiben einst […]


Warten worauf und weshalb?

Warten worauf und weshalb?   Noch wiederholt sich, was war. Doch in den Nächten überfällt uns die Vorahnung dessen, was kommt ohne Wiederkunft, kündigt der Tod sich uns an.   Spüren wir, quälend zumal, was es bedeutet, wenn die Zukunft nur droht, und die Sehnsucht erlischt, weil statt Trennendem Abschied auf immer geschieht.   Keiner […]


Vergeht die Zeit, geht sie vorbei

Vergeht die Zeit, geht sie vorbei   Es stirbt die Zeit, stirbt vor sich hin. Und immerzu, Tag aus Tag ein, vergeht, was kommt, verkommt, was geht.   So spielt sich ab merkwürdig Ding: Zeit geht und bleibt, vergeht und währt, entschwindet, kommt, läuft ab, verläuft.   Da bleibt, was stirbt, steht, was vergeht, hält […]


Gibt’s nur das Leben und nichts außerdem?

Gibt’s nur das Leben und nichts außerdem?   Was anfängt, endet, es hat seine Zeit. Sei nicht verblendet, bald ist es soweit! Man sagt: hinüber. Was geht, geht vorbei, rasch ist’s vorüber, es sei, was es sei! * Doch ist das Leben das einzige Sein? Endet sein Streben im Nichts und im Nein? Was uns […]


Im Umkreis des Diesseits

Im Umkreis des Diesseits   Gilt’s zu beschwören, wohin wir gehören, wer nennt den Ort, winkt gar von dort?   Was wir erstreben, bekümmert erleben, schmerzt uns, entzückt, wenn es uns glückt.   Fernes erreichen, Bedrängnis entweichen, hier oder dort, wegwärts vor Ort.   *   Halten zum Narren uns Hoffen und Harren, Warten worauf, […]


Zeit bringt das Sein aus dem Blick

Zeit bringt das Sein aus dem Blick   Das Zeitliche drängt all unserm Sinnen sich auf, verleitet den Blick.   Die Zeit dominiert, sie bannt, belegt mit Beschlag, verbirgt uns das Sein.   Kein Nu bleibt vor Ort. Längst ist gewesen, was war, was ist, ist vorbei.   Die Zeit läuft davon, hinter sich her […]


Zeitlichkeit endet

Zeitlichkeit endet   Sterbliche sind wir, sterblich zeitlebens. Tod, unser Pate, nennt uns beim Namen. Mit der Geburt beginnt, was wie die Sanduhr rinnt.   Leben ist tödlich. Zeugende züchten immer aufs neue endloses Enden. Niemand entgeht dem Tod, der uns tagtäglich droht.   Trauer befällt den sehenden Menschen, der sich der Einsicht stellt und […]


Gezieltes Begreifen

Gezieltes Begreifen   Nicht dies oder das, mal so und mal so, sondern ganz und gar, ohne Wenn und Aber!   *   Statt Hin und Her nach Laune und Gunst und statt hü und hott Begriffe, die greifen.   Das Wort, nicht den Mund zu halten, tut Not, und die Tat hat nichts zu […]


Begreift es hienieden

Begreift es hienieden   Oft meint, wer an sich denkt, das Ansich zu treffen, und hält, was für ihn spricht, für unübertrefflich.   Dagegen: Wer bin ich, erfragt, wer für sich bleibt und einzig im Fürsich ein Sein für erschöpft hält.   Im Anundfürsich erst kommt zu sich ein jeder, zu sich und dem Andern […]


Der menschliche Mensch. Was er ist, wer sagt’s ihm?

Der menschliche Mensch. Was er ist, wer sagt’s ihm?   Ich bin, wie ich bin, sagt manch Ausgepichter, und ich bleib mir treu, mich verändert niemand, ich bin, der ich bin.   Doch was ist schon dran an solch rüder Rede, die so tut, als sei nichts zu machen, fertig und fix das Format?   […]


Nichts verpassen?

Nichts verpassen?   Tun und Lassen gilt’s zu fassen: Einsatz? Passen? Was wir müssen, gilt’s zu wissen!   Schalten, Walten, sich enthalten, mit gestalten, einzugreifen, wo es sein muss, sich versteifen, wo der Einfluss ohne Einsicht, was hereinbricht, ohne Sinn spricht.   Nichts dem Treiben überlassen, statt sich Massen anzupassen, menschlich bleiben.  


Nachdenklich vergegenwärtigend

Nachdenklich vergegenwärtigend   Längst überwiegt die Erinnerung, neigt sich das Altern dem Ausgang zu. Längst hat Missglücktes den Ernst verlorn, hat sich das Dunkel gelichtet.   Seltsames Tun, in der Gegenwart dessen, was ist, des Vergangenen Sich zu entsinnen, des Lange her, Einst sich vor Augen zu führen!   Jetziges harsch zu verspüren, den täglichen […]


Gedenkend gestimmt

Gedenkend gestimmt   Kommt im Gedächtnis kein Denken ins Spiel, bleibt’s beim Gewesen, bedeutet’s gleichviel.   Wird gar vergessen Geschehenes, Tat, fehlt das Gedenken, versagt jeder Rat.   Wer sich erinnert, wer andenkend lebt, fragt sich, besinnt sich, erwägt, wenn er strebt.   Statt nur zu grübeln, auf Krümel erpicht, nachdenklich Sinnen steckt auf uns […]


Zwischen Einst und Einst sich regen

Zwischen Einst und Einst sich regen   Was die Zeit ist, niemand weiß es, doch es spricht von ihr ein jeder, kennt die Uhr und setzt Termine, schätzt die Freizeit, schlägt sie gar tot.   Kann das Wörtchen „einst“ uns helfen, sie zu fassen, aufzuspüren ihrer Richtung Unterwegssein, rückwärts, vorwärts, ob sie vor Ort?   […]


Erinnerung sinnt und besinnt sich

Erinnerung sinnt und besinnt sich   So wichtig das Wann auch gewesen, Erinnerung hält sich ans Dass. Die Daten, die Fachleute lesen, entrücken, statt fesseln, sind blass.   Lebendig erlebte Geschichte ist packend und rührt, nicht versteift. Jahrhunderte alte Berichte sind heutig für den, der begreift.   Je älter wir werden an Jahren, Vergangenes wird […]


Dem Unterschied gilt’s zu genügen

Dem Unterschied gilt’s zu genügen   Muss denn der Unterschied, ohne den doch nichts für sich und sein eigen, jedes beliebig vertauschbar wäre, und die Vielfalt, Reichtum der Welt, ins Einerlei sinkend, verfiele, statt zu dem, was er darstellt, einzig zum Widerspruch führen?   Fordert der Unterschied, der im Hier und Dort erscheint, in der […]


Nur Tun macht Nägel mit Köpfen

Nur Tun macht Nägel mit Köpfen   Steckt nicht in allem, was ist, Antwort auf sinniges Fragen? Und, wenn’s drum geht, sie zu wissen, ist’s möglich, weil es sie gibt.   Liegt auch nicht alles zu Tag, der, der bereit ist zu fragen, was braucht er mehr als Bereitschaft, sich einzulassen aufs Ist?   So […]