Beiträge von Richard Wisser


DER ZWEIFACHE KREIS

DER ZWEIFACHE KREIS   Im Kreis schließt der Anfang das Ende in sich, ist Rückkehr zum Ursprung kein Gegen-den-Strich.   Solch Kreis ist zu zeichnen. Doch gibt es solch Sein, den Abschied, der heimkehrt, getrennten Verein?   Bewegung, die endlos in sich sich verschlingt, Entfernung, die ausgreift Und Nähe erbringt?   Im Leben ist’s anders, […]


SAGEN, WAS SAGBAR IST?

SAGEN, WAS SAGBAR IST?   Ist’s das Unsägliche, das mir am Herzen statt auf der Zunge liegt, das mich wie Blut durchpulst, mich in Bewegung hält, was mir zu denken gibt, doch mich zu schweigen heißt und mich erfahren lässt Grenzen der Sprachlichkeit?   Vor dem Geäußerten schließen die Dinge Poren und Augenschein, halten den […]


HEILIGE EINFALT, WIE TÖRICHT!

HEILIGE EINFALT, WIE TÖRICHT!   Einzig der Einfalt gelingt es, Antwort zu geben im Nu, einfach und ohne die Skrupel, die jeder Rede misstraun.   Einfalt spürt, was zugegen, rügt sich in solches, was ist, hält ohne Vorbehalt Einkehr, nimmt ohne Harm, wie es kommt.   Folgsam natürlicher Regung, ohne Befehl und Geheiß, lässt sie […]


SOZUFRAGEN

SOZUFRAGEN   Es gibt Fragen, die ein ganzes Leben lang, uns aufgegeben, sie zu stellen in der Hoffnung, dass uns Antwort jemals wird gegeben.   So zu fragen, harrend der Entsprechung, fordert langen Atem, warten können, aufgeschlossen, unverdrossen auf der Suche bleiben.   Was das heißt? – Wie lang gesuchte Reime, deren Ton und Klang […]


NACH EPICHARM

NACH EPICHARM   Gelenke hat auch der Geist, wenn er spurt. Nüchternheit führt ihn. Misstrauen übt er.   *   Bei Licht besehen: Alle Menschen sind von Natur – Bälge, aufgeblasene.   *   Du meinst, du seist im Reden mächtig, und bist doch einzig nicht fähig zu schweigen.   *   Denken, wenn es […]


VERTRAU’ NICHT DEN BILDERN!

VERTRAU’ NICHT DEN BILDERN!   Oft streuen Bilder mir Sand in die Augen, zerstreuen den Blick, lenken ab vom Gesicht.   Staunendes Schauen verkommt im Gehabten. Statt Tiefsinn der Welt fesselt Firnis und Ganz.   Oder Konstrukte und Installationen vollführen, gestelzt, ein Debüt der Regie.   Schließ’ ich die Augen, wird’s dunkel im Innern. Erschließt […]


WAS LEHRT UNS DIE NACHT?

WAS LEHRT UNS DIE NACHT?   Kaum, dass die Lichter erloschen, versinkt, was uns getrennt, die Welt gerinnt.   Schließ’ ich die Augen im Dunkel, gleichviel, öffne ich sie, es hält mich nichts.   Wer wohl vernimmt, wenn das Auge versagt, wie’s um uns steht, wohin es geht?   Nächtlich, im Dunkeln, spurt, lauschend, das […]


ORPHEUS, DEIN LIED TROTZT DER ZEIT!

ORPHEUS, DEIN LIED TROTZT DER ZEIT!   Ist, was vergangen, vorbei? Kehrt denn kein Echo zurück aus der Vergangenheit Sog? Orpheus, dein Lied trotzt der Zeit!   Rette die Liebe ins Wort, gib ihr die Bleibe im Lied, halt’ das Vergangene fest in der geformten Gestalt!   Denn, was uns ankommt, vergeht, glänzendes Leuchten verblasst, […]


ICH FRAG’ MICH MANCHMAL

ICH FRAG’ MICH MANCHMAL   Genügt die Frage? Bringt sie zu Tage wirklich die Lage? Weshalb, wozu?   Was hilft’s, das Flirren, Girren und Irren mühsam entwirren, die Tür bleibt zu.   Für’s Zweckbetonte, täglich Gewohnte, füglich Belohnte Verstand reicht zu.   In derlei Breiten herrscht selbst beim Streiten Vergleich der Seiten im Ab und […]


WORAUF ES ANKOMMT

WORAUF ES ANKOMMT   Nicht dadurch endet die Not in der Welt, dass man die Zeitung abbestellt.   Nur derart, dass man zu helfen bereit, wo es auch sei und jederzeit.   Gewiss, je größer, je besser, doch oft hilft schon ein Lächeln, unverhofft.   Schön klingt’s zu sagen ein Hü! und ein Hott! Hilf […]


INS AUG’ GERÜCKT

INS AUG’ GERÜCKT   Wer sagt, es sei, was verschieden, geschieden, verkennt die Struktur der Beziehung.   Gewiss! Es trennt jeder Abschied. Er scheidet und schneidet entzwei, was vereint schien.   Doch tritt zu Tag, was uns mangelt und abgeht: Des Anderen Art, die uns not tut.   Dem „Gleichen“ fehlt die lebendige Spannung, Ergänzung […]


Fragen, wissen, Antwort geben, doch wer weiß, wozu wir leben?

Fragen, wissen, Antwort geben, doch wer weiß, wozu wir leben?   Bleibt uns nur das Abfragbare, was ins Wissen eingegangen, wird das Wahre leicht zur Ware, nimmt die Antwort uns gefangen.   Fragen, die aufs Ganze gehen, die Gewusstes überschreiten, lassen Abhörbares stehen, weisen auf Unwägbarkeiten.   Hält die Antwort sich für schlüssig, tritt das […]


Bleibt uns nur der Verzicht?

Bleibt uns nur der Verzicht?   Mein Verstand steht still vor dem unerkennbaren Sein, weiß sich keinen Rat, tritt wohl auch auf der Stelle, wendet schließlich sich ab. Kommt mein Sinn ihm auf die Spur?   Doch mein Sinn schweift aus, tastet, rastet, zieht sich zurück, peilt, versucht’s erneut, wähnt und argwöhnt in einem. Auch […]


Sehenden Auges wie’s ist erfahren, II

Sehenden Auges wie’s ist erfahren, II   Motivik   Dem Bestehenden gilt es im Leben allseits Beine zu machen.   Selbsterkenntnis   Kommt, wer zu sich kommt, zu sich, aus sich herausgeht, über sich hinaus?   Gelassenheit   Wie doch gelingt es, über den eigenen Schatten selbstlos zu springen?   Endgültig   Was für ein […]


Sehenden Auges wie’s ist erfahren

Sehenden Auges wie’s ist erfahren   Spornstreichs   Winzig, der Splitter, kaum sichtbar, der Dorn, stacheln aufs Äußerste an.   Vorurteilsfrei   Was, wie es ist, ist ohne zu scheinen, erfährt nur der Nüchterne.   Endsieg   Missbrauchte Jugend, zur Uniform erzogen für den Heldentod.   Paradox   Die sich entziehen, ohne Stellung zu nehmen, […]


Haikus – Spürsinn und Spur

Haikus Spürsinn und Spur   Der Form des Haiku eignet tiefe Bedeutung: Ausgang zur Heimkehr.   Sein Inhalt? Sinnbild inmitten des Üblichen, Weckruf im Alltag.   Zweierlei macht mir die Seele weit, den Blick tief: Abglanz und Nachklang.   Flüchtigkeit gibt sich, Augenblick weitet sich weit. Bild löst Echo aus.   Und so erschließt sich, […]


Unterschied trennt und ergänzt zugleich

Unterschied trennt und ergänzt zugleich   Es bricht auseinander der engste Bund, es schlägt auch der Eintracht die letzte Stund’. Doch nur, was getrennt ist, ersehnt den Verein, verspürt, was ihm fehlt, fühlt sich einsam, allein, begreift, was ein freundliches Wort besagt, hilft dem, der in Nöten, verlassen, verzagt, und hält bei der Hand, bis […]


Ist alles vergeblich?

Ist alles vergeblich?   Wie kommt in Betracht, was unsichtbar waltet? Wie lässt sich anschau’n, was sich nicht zeigt?   Das Sinnbild verweist, gewährt keinen Einblick. Im Vorgestellten fehlt jede Spur.   Das Gleichnis entwirft, setzt sich an die Stelle, verheißt den Zugang, öffnet ihn nicht.   Die Chiffre fungiert, verbirgt schon Bekanntes, sie sagt […]