Beiträge von Johannes Chwalek


Die Vielfaltsredner

Die Vielfaltsredner   Wie lang schon heißt es von den Vielfaltsrednern: „Du spaltest und du zündelst!“ Das haben sie sich schön ausgedacht: Vielfalt als Waffe für Konformität. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Die Wiederkehr des Gleichen in der Geschichte.      


übermoral

übermoral nach einem leserbrief   mit übermoral überorganisation überklagerecht steht jeder jedem im weg nichts bewegt sich mehr im land


Menschlichkeit

Menschlichkeit   Die Co-Vorsitzende der Jugendorganisation spricht von Menschlichkeit; jedem schreie sie das Wort zu, der eine andere Politik mache, als sie für richtig halte. – In diesem Gedicht steckt ein Fehler drin, deshalb ist es geschrieben worden.  


ansprechen

ansprechen   ansprechen hilft nicht sagen die regierenden das helfe falschen und trage überhaupt nichts zu veränderungen bei   aber was hilft dann? wünschen wie zur märchenzeit? nochmal nachdenken dass das ansprechen ganz falsch besser unterblieben wär?  


Leider haben wir Sie nicht angetroffen

„Leider haben wir Sie nicht angetroffen. Sie können die Sendung abholen am …“ – nein, eben nicht!   Lieber F., vielen Dank für Deine E-Mail. Das […]-Buch muss nicht per Einschreiben gesendet werden, es genügt eine Verschickung mit PRIO („prioritäre Behandlung“), dann hat der Großbrief eine Sendungsnummer und der Postweg lässt sich nachverfolgen. Thomas B. […]


Ein milder Herbst ist’s.

Ein milder Herbst ist’s. An meiner alten Schule sitz ich und warte, betrachte das Spiel des Winds in Zweigen, falben Blättern.


Träume

Träume   1 Der Traum, dass sie gehalten wurde, starr, von den Leitern und mir, ich wusste erst gar nicht, wen ich da mithalf zu halten. Dann löste sie sich, ihr herabfallendes langes Haar verriet mir die Person. Ich sah die Leiter an, die vielleicht wie ich die Situation im Augenblick erst erkannten. Ich wollte […]


An meiner alten Schule

An meiner alten Schule   Frohgemut seiner jungen Jahre schritt er fort; wars nicht derselbe Mann, den ich als Lehrer hatt‘ vor mehr als fünf Jahrzehnten?


Bericht aus Berlin

Bericht aus Berlin   Gut integriert und trotzdem radikalisiert? Manche denken kurz.   *   Die Fremden Opfer – auch bei krimineller Tat? Kolonialistisch.     *   Dieses Land ohne Grenzen will stabil bleiben? Deutscher Größenwahn.   *   „Es ist nicht möglich, das Grundgesetz, die EU …“ (Lassen wir’s, wie’s ist.)  


gute alte zeit

gute alte zeit – in einem archiv voll mit papierbrandlast zünd‘ ich die meerschaumpfeife an und rauchte sie genüsslich


ein neuer glanz zieh

ein neuer glanz zieh um mich her aus alter zeit mich zu verjüngen mir sei’s allein zu stehen umringt von meinen ahnen


nach eduard mörike, I

nach eduard mörike, I für thomas berger   im weichen fauteuil so geschmackvoll wie einfach in heiterm tone   „die bilder ihr werk“ „aber nein was denken sie“ „sie verstellen sich“   zerstreut und brütend sitzt er dann noch da und hört – des barons schweigen   zu sich selbst gebracht mit glüh’nder stirn steht […]


alle konviktler

alle konviktler atmeten im reich der nyx hypnos bettet‘ uns lethe breitet‘ immer neu über uns vergessen aus


„Probleme des deutschen Westens“

Plan zu einem Aufsatz:   „Probleme des deutschen Westens“ Eine Tagung des Verbandes deutscher Geschichtslehrer in Heppenheim an der Bergstraße im Oktober 1928   Vorbemerkung   Der vorliegende Aufsatz beschreibt die „Rheinische Herbsttagung“ des „Verbandes Deutscher Geschichtslehrer“ im Oktober 1928. Sie fand statt in Heppenheim an der Bergstraße im Hotel „Halber Mond“[1]. Im ersten Teil […]


nach herrn k., X

nach herrn k. haiku, X   diese arbeit wär’ himmlische auflösung und lebendigwerden   *   hielt ich’s im bureau auch dann nicht aus, käm ich in einem monat frei   *   vielleicht könnte ich verborgne standhaftigkeit in mir auffinden   *   wut über meine schwester die ins zimmer kommt mit buch am […]


nach herrn k., IX

nach herrn k. haiku, IX   mein glück und meine möglichkeit liegen sei je im literarischen   *   für ’ne geschichte in alle weltrichtungen mich auszubreiten   *   nur hie und da in einem kleinen wort lebend in dessen umlaut   *   ein nasses tuch auf das herz, brechreiz, luftmangel, seufzen, herumgehn […]


nach herrn k., VIII

nach herrn k. haiku, VIII   die tür bewachen dass sie sich nicht öffne und wir sie nicht öffnen     *   sitze am schreibtisch bring‘ nichts zuwege, komme kaum auf die gasse   *   außer für schmerzen für alles unfähig – sieg der banalität   *   auch ich hab waffen sie […]