Beiträge von Johannes Chwalek


mein arbeitsräumchen

mein arbeitsräumchen mit den beiden regalen enthält meine welt   einmal war eine frau da ging ohne frage hinaus   *


Notiz aus der Kindheit

Notiz aus der Kindheit   Die Märchen-Stiefmutter störte vor allem eins an mir: dass ich auf der Welt war. Sie hatte es schon so weit gebracht, dass ich, abgesehen von den Ferien und den vierzehntägigen Heimfahrwochenenden, die meiste Zeit des Jahres im Internat lebte, was mir, unter den obwaltenden häuslichen Umständen, höchst angenehm war. Als […]


mann des museums

    mann des museums   umgeben von dir ein museum dachte ich so etwas brauch ich   und habe ich jetzt mein glastürenregal hält augenblicke fest   allerteuerste auch ich hab das verstanden nur im nachhinein   mann des museums hättest du nicht sein wollen kraftzentrum – das schon


freundschaft schwebt ausgleich

  freundschaft schwebt ausgleich   eine zeichnung, freund, ich will sie dir beschreiben: „demian“ schenkst du mir   bald fünfzig jahre die seitdem verstrichen sind – und ich find nicht mehr   wie andre bilder dies eine im gedächtnis denn ja: es geschah   das werk mit deinem namenszug, der jahreszahl in deiner handschrift   […]


Früher Eindruck

  Früher Eindruck   In erster Jugend Blick durchs Türfenster in den Studiersaal hinein.   Die Sekundaner oblagen ihren Studien an ihren Pulten.   Vor ihnen der Prä, mit dem Füllfederhalter auf Papier schreibend.   Oh wie herrlich wär’s, einer von diesen zu sein: wissend, souverän!   Vertieft ins Schreiben – konzentrierteste Arbeit – Beispiel […]


Philosoph, einhundert Jahre:

Philosoph, einhundert Jahre:   „Die Beine schwach geworden, rückwirkend der Polio. Mit den Armen und zwei Stöcken geht’s noch ganz gut fort.   Aber immer ist’s ein bisschen auch ein Seiltanz. Jeder Fall, jeder Sturz kann eine schwere Behinderung, auch ein Ende werden.   Wenn ich am Schreibtisch sitze, das Aufstehn vom Schreibtisch ist eine […]


Die Biertischgarnitur, Vierter Teil

Die Biertischgarnitur Eine Erbengeschichte Vierter Teil   Von der Küche wendete ich mich mit Laura auf dem Flur Richtung Wohnzimmer. Mein Blick fiel auf das hölzerne Wandschränkchen mit dem Telefon darauf, fiel auf die vielen gerahmten Fotos der Enkel des Verstorbenen, fiel auf die ersten Stufen der Holztreppe zum ersten Obergeschoss. So klein, abgenutzt und […]


Die Biertischgarnitur, Dritter Teil

Die Biertischgarnitur Eine Erbengeschichte Dritter Teil   Mit Laura im Flur und Wohnungseingang des Hauses stehend. Der Blick auf die Kellertür. Durch diese Tür hat mich die Stiefmutter geprügelt, vom Keller kommend, die Kellertreppe hoch und dann durchs ganze Haus bis in den zweiten Stock in mein Zimmer. Ich war sieben oder acht Jahre alt. […]


Die Biertischgarnitur Zweiter Teil

Die Biertischgarnitur Eine Erbengeschichte Zweiter Teil   Mit Laura erstieg ich fünf ummauerte Stufen zur Haustür. In meiner frühesten Kindheit war der Eingangsbereich von der Straßenseite verlegt worden auf die Nebenseite. Die Umbaumaßnahme war auf Betreiben der Stiefmutter vorgenommen worden, die nicht gewollt hatte, dass ihr „alle Welt ins Haus sehen“ konnte. Die Welt schüchterte […]


Die Biertischgarnitur

Die Biertischgarnitur Eine Erbengeschichte Erster Teil   Wer erben soll, bringt schon ein Erbe mit. Aber wissen er oder sie das auch?   Meine Lebensgefährtin Laura parkte das Auto am Straßenrand des Nachbarhauses. Es war das Elternhaus meines Kindheitsfreundes B., das dieser zusammen mit seinen beiden älteren Geschwistern vor einiger Zeit geerbt hatte, als seine […]


wohinaus geht es

wohinaus geht es   wenn das schönste war. vergebens. doch zu sehen. töricht, unterstehn.   wenn das schönste dich registriert. anders eben. deine gedanken.   wohinaus geht es. führen die gedanken weit zu ergebnissen.   frei und stolz wolltest. und gelingt es dir wieder. und die verbeugung.


nur der weiteste himmel

nur der weiteste himmel   enthoben sein mich zu entheben die lasten zerstören den kern   nicht mehr mitspielen das spiel verwirbelt zu grund hinaus ins freie   bleib nicht bestehen der modus des zerplatzens jämmerlich gefetzt   mich aufzurichten nur der weiteste himmel soll mir genügen


unterm blauen zelt

unterm blauen zelt   als ob der beginn und wie freuten sich dichter der knospen, blüten   wenn die jahre sie krumm wie ‘nen fidelbogen die verwunderung   als ob der beginn sie der fron entkleidete leicht, schier schwerelos   den boden berührt kaum der geflügelte fuß unterm blauen zelt


der steg

der steg   alles zum trugbild. im gestrigen glück schimmert die kehrseite durch   heute trumpft sie auf. wie stehst du da? was lässt du dir gefallen, mann?   dem ekel zum lob dass du ihn gebrauchen kannst. siehst du schon klarer?   ein wink geschieht aus abgelegter zeit. der steg vermag zu lächeln


Wer kann sagen, wir haben gelernt? Teil 2

Wer kann sagen, wir haben gelernt? Teil 2     Foto: Johannes Chwalek   Die Gefallenen des Ersten Weltkriegs – „EUER OPFERTOD DES VATERLANDES WIEDERGEBURT UND LEBEN“?   I Auf dem Mainzer Hauptfriedhof wurde im Jahr 1928 eine Gedächtnishalle eingeweiht für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. An der Mauer des Friedhofs erinnern Steinplatten an die […]


Wer kann sagen, wir haben gelernt?

Wer kann sagen, wir haben gelernt? Zwei Kommentare: August 1914 / Dezember 1918   Mainzer Anzeiger, Samstag, 8. August 1914 Seite 4 – Nr. 183   „Der Kampf um das Deutschtum. Der Kampf, durch den das Deutschtum vernichtet werden soll, ist entbrannt. Wenn heute die Triple-Entente als Siegerin aus dem gewaltigen Ringen um die Vorherrschaft […]


Anmerkungen zur These vom „Ende des Buches“

Anmerkungen zur These vom „Ende des Buches“   Anlässlich einer Lesung in Frankfurt am Main, die am 19. März 2020 stattfindet, werde ich aufgefordert, ein kurzes Statement abzugeben, das die Frage „Erwartungen an mein Publikum? (in der heutigen Zeit, in der immer wieder ‚das Ende des Buches’ beschworen wird)“ aus meiner persönlichen Sicht beantwortet. Zum […]


alles gegeben

alles gegeben   im wechselwirbel reicht mein atem nicht mehr hin dir zu gefallen   alles gegeben könnte noch mehr von mir sein? du entschiedst auf nein   allein zu singen in die nacht gibst du mir auf nachtsänger zu sein   kühler weht der wind und wird zum eis gefrieren zur letzten zeile