Beiträge von Johannes Chwalek


abgehetzter mann

abgehetzter mann   abgehetzter mann noch eine zweite tasche in verschwitzter hand   ärger bei der bahn störung im betriebsablauf kundenroutine   eine tüte chips mittagessen-illusion am kalten bahnsteig   pflichten haben und überhäuft sein mit ihnen – weise ist das nicht


Juana in Mexiko

Juana in Mexiko   Die Berichte über deinen Aufenthalt in Mexiko haben deine Arbeitskollegen in Deutschland teilweise gefesselt, sagte ich zu Juana und verwies auf eine Frau, die ihre, Juanas Zeilen, sogar an ihren Arbeitsplatz mitgenommen hat, um während mechanischer Verrichtungen immer wieder den Blick darauf werfen zu können, teilweise aber auch befremdet wegen ihrer […]


Die Stiftskirche

Die Stiftskirche   Das Buch des Papstes, das im Schaufenster einer Buchhandlung in der Nähe der Stiftskirche auslag, zeugt von der wissenschaftlichen Bildung seines Autors, sagte ich zu Juana. Erst skizziere der Papst den Forschungsstand über Jesus von Nazareth, gehe dann auf eine bestimmte Forschungsmeinung näher ein, kritisiere sie und stelle eine eigene These dagegen, […]


blüht nach jahrzehnten

blüht nach jahrzehnten beiläufig gesprochnes wort bittersüßer duft   reißen möge es mich ein- mal noch über die grenze  


Ein Jubel, der nicht enden will

Ein Jubel, der nicht enden will Erzählung, Teil 3   Vorbereitungen Nach der Schule stand ich wieder vor den Zeitungsglaskästen und las in der aktuellen Ausgabe: 4. August 1914. Die Welt der Erwachsenen, die mich seit einigen Tagen brennend interessierte. Ein wenig beunruhigt war ich gleichwohl. Würde der Prä sein Wort wahrmachen, aufkreuzen und mich […]


Unbeschreiblicher Jubel!

Unbeschreiblicher Jubel! Erzählung, Teil 2   Bevor ich die Frage selbstverständlich bejahen wollte, stürmten zehn oder mehr Mitschüler, die gerade von der Schule gekommen waren und noch ihre Mappen im Arm hielten, die Treppe hoch. Sie liefen geradewegs zu den Zeitungskästen. Als sie den Prä sahen, riefen sie: „Herr Präfekt, haben Sie schon gehört? Es […]


Unbeschreiblicher Jubel!

Unbeschreiblicher Jubel! Erzählung, Teil 1 *   Am Montag, den 3. August 1914 las ich in der Zeitung: „Die Schicksalswürfel sind gefallen. Der Krieg ist erklärt und die kriegerischen Ereignisse haben alsbald eingesetzt.“ Ich überflog einige Sätze und gelangte zu der Stelle: „Abermalige Ansprache des Kaisers und Kanzlers. *Berlin, 2. Aug. Vor dem Schloß sammelten […]


Bleibt das leben wach

Bleibt das leben wach Nur durch den zauber suchst du Ihn heut arbeitsam   Über die worte gebeugt Dass dein freund dich sehn möge


Der Bericht des Sekretärs

Der Bericht des Sekretärs Zweiter Teil   Der Gefangene riss ängstlich die Augen auf: Schon gut, Herr! Ich sage dir alles! Alles was du willst! Valentinus nickte und begann das Verhör: Name? Tryphon, antwortete der Gefangene. Tryphon aus…? Aus T., Herr. Name der Mittäter? Ich kenne nur vier, Herr! Caecilius, Octavius und Minu­cius aus T. […]


Der Bericht des Sekretärs

Der Bericht des Sekretärs Erster Teil   Der Präfekt einer römischen Provinz, deren Name für diese Zeilen nicht von Bedeutung ist, befahl an einem hei­ßen Sommertag seinen Sekretär zum Bericht. Ave, Valentinus! Lass hören! Was gibt es? Leider nicht wenig, Herr, antwortete der Sekretär. Nun? wollte dieser wissen. Der Sekretär ermannte sich: Wie unsere Boten […]


Die menschen im blick

Die menschen im blick Von äonen getragen Für mich und vielleicht   Unsre gespräche dereinst Immer lautre fragmente  


Tanka

wissend geworden bist du bei dir zu sitzen drangsal enthoben   das erzählen neu geformt gehe ich aus mir heraus  


mein arbeitsräumchen

mein arbeitsräumchen mit den beiden regalen enthält meine welt   einmal war eine frau da ging ohne frage hinaus   *


Notiz aus der Kindheit

Notiz aus der Kindheit   Die Märchen-Stiefmutter störte vor allem eins an mir: dass ich auf der Welt war. Sie hatte es schon so weit gebracht, dass ich, abgesehen von den Ferien und den vierzehntägigen Heimfahrwochenenden, die meiste Zeit des Jahres im Internat lebte, was mir, unter den obwaltenden häuslichen Umständen, höchst angenehm war. Als […]


mann des museums

    mann des museums   umgeben von dir ein museum dachte ich so etwas brauch ich   und habe ich jetzt mein glastürenregal hält augenblicke fest   allerteuerste auch ich hab das verstanden nur im nachhinein   mann des museums hättest du nicht sein wollen kraftzentrum – das schon


freundschaft schwebt ausgleich

  freundschaft schwebt ausgleich   eine zeichnung, freund, ich will sie dir beschreiben: „demian“ schenkst du mir   bald fünfzig jahre die seitdem verstrichen sind – und ich find nicht mehr   wie andre bilder dies eine im gedächtnis denn ja: es geschah   das werk mit deinem namenszug, der jahreszahl in deiner handschrift   […]


Früher Eindruck

  Früher Eindruck   In erster Jugend Blick durchs Türfenster in den Studiersaal hinein.   Die Sekundaner oblagen ihren Studien an ihren Pulten.   Vor ihnen der Prä, mit dem Füllfederhalter auf Papier schreibend.   Oh wie herrlich wär’s, einer von diesen zu sein: wissend, souverän!   Vertieft ins Schreiben – konzentrierteste Arbeit – Beispiel […]


Philosoph, einhundert Jahre:

Philosoph, einhundert Jahre:   „Die Beine schwach geworden, rückwirkend der Polio. Mit den Armen und zwei Stöcken geht’s noch ganz gut fort.   Aber immer ist’s ein bisschen auch ein Seiltanz. Jeder Fall, jeder Sturz kann eine schwere Behinderung, auch ein Ende werden.   Wenn ich am Schreibtisch sitze, das Aufstehn vom Schreibtisch ist eine […]