Beiträge von Johannes Chwalek


gefunden-werden

gefunden-werden   wie leicht verlockt. wie jeder andere. dadurch auch verglichen – so   egalisiert sich’s. was du als innerstes fühlst – gleich und gleicher ist’s.   deine karten: schlecht, dass du das spiel nicht beginnst, doch die trauer spürst.   der ausweg muss her! du wirst ihn finden; sei’s im gefunden-werden.


wieder dein atem

wieder dein atem   tag um tag verblich wo ich gelassen mit dir ging und stand, mein freund   *   dein frühes geschenk zur richtigen zeit so spät erkannt und verehrt   *   denn es ist auch gott, den freund zu erkennen, sei’s lang nach seiner zeit   *   stefan george verse […]


der klang der laute

der klang der laute   der klang der laute bezaubernde erinnrung an nie gehörtes   *   nichts bestimmtes tun tee, musik, eine pfeife allerlei denken   *   kommen und gehen in gelassenheit – wie einst die wahren menschen   *   das kirschblütenblatt – im strahl der morgensonne löst es sich heiter  


ABGEZEHRT

ABGEZEHRT und mutlos bin ich geworden, denke beständig an die harte Irrfahrt; nie ist mir der Mut in Frohsinn, da ich – wahrhaftig! – viel ausgestanden.   Von neuem in der Brust den Lebensmut zu finden, reicht mir alle Tage auf ein volles Jahr unendliches Fleisch und süßen Wein, dass mir beredet wird in der […]


grünes blatt am rand

grünes blatt am rand. abgetreten die fliesen unsrer jugendzeit     Foto: Johannes Chwalek    


Ideologie

Ideologie   Im Kommunismus hieß es, „ja, derzeit ist es noch schwer, doch später   lockt das Paradies, die Win-win-Situation, garantiertes Glück.   Wer hieran zweifelt, ist ein Feind der Gesellschaft, muss bekämpft werden!   Schließlich haben wir, die Mächtigen, den Schlüssel zur fortschrittlichen,   einzig richtigen Weltauffassung! Wer zweifelt, kommt in den Senkel“,   […]


immer noch stolpern

immer noch stolpern   zaungast geblieben in der kunst und wissenschaft und philosophie   *   ein weißes blatt legt der schüler jeden alters vor sich auf den tisch   *   „was ist dein leben?“ „mühe“, antwortet der mönch, „wie bei dir, bruder“   *   immer noch stolpern was ich nicht mehr will, […]


Schillerhaus, Weimar

Schillerhaus, Weimar   Vor dem Schillerhaus in Weimar ruft ein junger Bursch von der Straße   einem andren Bursch im Schillerhaus, erster Stock, laut zu: „Langweilig?“   Er ruft noch einmal, lauter als beim ersten Mal, und jetzt, durch das Glas   des Fensters, nickt der Bursche ihm bejahend zu. „Viel Spaß noch!“ ruft der […]


was gibt es neues?

was gibt es neues?   was gibt es neues? gar nichts. früher gab’s ziele, hat man sich gefreut   das jahr verlief wie die andren auch verliefen jetzt erzähl mal was   …packen die koffer, essen, gucken fernsehen und gehen schlafen   zehnmal dasselbe thema, das haben wir schon zehnmal durchgekaut


unser beider wort

unser beider wort   das glück des lehrers. gesetzte spuren. rückkehr nach vorne. nun geh!   verheißung band uns. allein sie fortzutragen? vergangenheute   du hättest das buch, das ich lese, gelesen – les’ ich es mit dir!   hier, mein freund, die schrift! du mir einst und ich dir nun – unser beider wort!


Durch die Wüste

Durch die Wüste   Heißer Sand, weiter vermag ich nicht zu blicken. Ohnehin schau ich   nur die Füße an, wie sie durch den Sand schlurfen; meine Füße sind’s.   Ein einfacher Trunk Wasser – mehr bedürft’ ich nicht, denke ich mir noch.   Der äußerste Rand des Bewusstseins sieht den Sturz in den heißen […]


ehe

ehe   mach doch licht an rauch nicht so viel iss doch was   den fernseher wie früher in den keller zu stellen wäre problematisch   wenigstens die pflanzen trocknen nicht aus   wollen wir uns nicht einen wellensittich kaufen?


ohne die flamme

ohne die flamme   die tage schöner begeisterung sind dahin ernste lese zählt   den dienst versehen will ich noch leisten, mein freund ward der glanz auch bleich   doch dies bleibt und hält; zerstiebte ich sonst ins all ohne die flamme   der hüter bist du – aller unbekümmertheit der jungen tage


Nach dem Igorlied

Nach dem Igorlied   Kriegerischen Geists zu sein, galt einst als Tugend bei den Chronisten.   „Lieber zerhauen werden, denn gefangen sein! Hinauf zu Pferde!   Meinen Kopf will ich hinlegen oder trinken aus dem Helm vom Don!“   Es waren Zeiten, als sich Wölfe noch drohend aus Schluchten drängten   und Adler schreiend Tiere […]


Die Braut Jerusalem

Die Braut Jerusalem   Das Schuljahr begann. Froh war ich, wieder zurück im Konvikt zu sein.   Entronnen dem Hass der Stiefmutter, der Feigheit meines alten Herrn.   Da trat der Präfekt, der mir wohlgesonnen war, in den Schlafsaal ein.   Er scherzte federnd, in heitrer Gelassenheit – wir war’n beisammen.   Alles ward anders […]


Wappne dich!

Wappne dich!   Nun überleg mal, ob du wirklich wollen sollst, was du dir erwünschst!   Hoffst du auf Ruhe? Erwarte das Gegenteil! Hoffst du auf dein Glück?   Erwarte die Angst vor dem Verlust des Himmels, in dem du dich wähnst!   Aber jetzt – was tun? Ist alles bloß Chimäre und sollte nicht […]


Leitbilder

Leitbilder   Es war in den Fünfzigern, ich lebte in einem Internat, empfohlen von meinem Pfarrer in der Provinz, damit das Abitur für mich erreichbar wurde. Unsre Leiter waren zwei Männer, die mir Eindruck machten. Sie wollten mithelfen, dass eine neue Zeit aufzöge und die Vergangenheit begraben würde. Sie setzten auf das Christentum, auf alte […]


Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 2

Max Gorges als Bezirksgemeindearchivpfleger, Teil 2   Dokumentation und Präsentation der Arbeitsergebnisse   Im „Bergsträßer Anzeiger“ vom 14.2.1955 findet sich ein Artikel über die Neuordnung des Gemeindearchivs von Groß-Rohrheim, wo es u.a. heißt: „Mit dem 15. Jahrhundert treten wir in der Ortschronik von Rohrheim in eine Zeit, aus der im Archiv der Gemeinde Urkunden vorhanden […]