Beiträge von Johannes Chwalek


den schritt zu wagen

den schritt zu wagen   übers wasser gehn jahrzehntelange lehre vom lob der freundschaft   als du atmetest und gingst sprachst und lächeltest mir die hand reichtest   und ehre verliehst meinem sein und versprechen nur diesen beiden   zu stiller freude deinem ruf zu folgen und den schritt zu wagen    


Brief vom Polizeipräsidium

Brief vom Polizeipräsidium   Zweimal habe ich mich wegen einer mir schriftlich zugesandten Beschuldigung, das Handy meiner Frau ausgespäht und unter Missbrauch ihres Online-Kontos drei Bestellungen getätigt zu haben, nicht in der Weise geäußert, wie ich das von mir selbst erwarten würde; vielleicht gelingt es mir hier in schriftlicher Form besser. Das Beschuldigungsschreiben, in dem […]


mit dir übte ich

mit dir übte ich den aufrechten gang sehnte mein orplid herbei ich rauchte deine pfeife du trankst meinen schwarzen tee  


ein zwei sekunden

ein zwei sekunden schaust du mich jetzt länger an nichts besondres ist an mir nur dass ich schreibe seit meinen kindertagen  


dass er dran dachte –

dass er dran dachte – oh ja immer wieder war’s doch wenn sie ihm schreibt sich artig bedankt will er gleichfalls nett und freundlich sein  


herder lesen, 1

herder lesen, 1   was verlor ich nicht in gewissen jahren die leichtsinn und phlegma   verstiegen rangsucht an toten punkt geheftet in den engen kreis   wie klein eingeschränkt wird endlich der ganze geist tritt einmal heraus   wo das feste land die ich fürchtete liebte seele wie wird’s dir  


Der gott des ernstes

Der gott des ernstes   Der gott des ernstes Der abgelegten träume Nüchternen handelns   Wie weit wirst du gehn Dass ich die leere spüre Nach der bitterkeit   Innre aufschwünge Ganz zurückverloren dass Kleinster strahl noch blitzt   Dass lebensreste Die alte würde wahren Vor der dunkelheit  


außerhalb der zeit

  außerhalb der zeit   außerhalb der zeit finde ich unsren teetisch in jugendschöne   stehst du vor mir lang behaart und ohne brille drückst du mir die hand   dem leicht gebeugten bebrillten spärlichen haars wo ist der junge   der nach den schluchten- rosen kühn gehascht und wo sohnesstatt erfüllt


glänzende stille

glänzende stille   wenn du nichts mehr wärst nirgendwo und ausgelöscht oder auch noch bist   realer albtraum dieser ganze rest an zeit keine hand kein wort   damals gestiftet zu meinen feiertagen glänzende stille


dir zur mitte hin

dir zur mitte hin   dir zur mitte hin alles liegt nun an mir selbst ich will bei uns sein     jahre pfeilgeschwind wo der mühsale viele neu mit dir im bund     dein gespräch suchen himmelschreiender traum triff glücklich ohne fahr     und wie wird das sein nicht die zeiger mehr […]


der leiseste ton

der leiseste ton dass er forthallt in die zeit zu dem schönsten klang als du mir die teetasse – bostoner tea party – gabst


erbitt‘ ich deinen trost

erbitt‘ ich deinen trost   jahrzehnte belehrten mich dein blick in die offene flanke des seins – deines seins wie nun auch meines   doch sei getrost freund ruf ich dir heute zu hatt’st du mich doch auf die spur gesetzt   wie nun auch ich unsre freundschaft gelobt erbitt‘ ich deinen trost vor der […]


Franz Josef Schäfer: Einmal Theresienstadt und zurück.

Franz Josef Schäfer: Einmal Theresienstadt und zurück. Familie Lansch wehrt sich gegen die Nazis. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag GmbH 2019, 158 Seiten, 23 Abb. ISBN 978-3-86110-746-0, 12,90 €   Johannes Chwalek   Franz Josef Schäfer beschreibt ein außerordentliches Detail der Holocaust-Geschichte: Dem Wehrmachtssoldaten Hans Lansch (1906-1990), nach der Diktion der Nationalsozialisten ein „Mischling ersten Grades“, […]


lebt’ ich wie götter

lebt’ ich wie götter   dir zu sagen wärs nie mehr habe ich seitdem solch unbeschwerte   stunden des erzäh- lens erlebt ich bin kein le- ser mehr zu unsrer zeit   saß ich hingegos- sen mit einem buch – vorbei gespenster krallen   sich an die bücher immer frechre gebärden lebt’ ich wie götter


grubst du erinnrung

grubst du erinnrung   abends im schlafsaal stefan georges gedicht totgesagten parks   uns vortragend mit emphase das tiefe gelb das weiche grau die   letzten astern nicht vergessend geheimnisvoll neu vielversprechend   grubst du erinnrung herrentum und heiterkeit fürs nüchterne jetzt


spätes verstehen

spätes verstehen   wir sprachen einmal über das buch – jahrzehnte gingen drüber hin   das werk sei dir fremd meintest du – auch ich fand nicht den rechten zugang   heut ist es anders was uns betraf bewegte ist der gegenstand   dein wesen öffnet die türen – du beriefst mich wurdest heiterer   […]


wahrheit entgegen

wahrheit entgegen   ins zimmer treten zu unsrer alten freundschaft nichts davon vorbei   dabei wär es zeit jahrzehntelange trennung hienieden drüben   meine schriften dir zu zeigen ging mein atem dass noch eine spur   denn schien es dir nicht dass ich ein verlorner war wahrheit entgegen


winke und zeichen

winke und zeichen   inauguration eingeladen vom meister dessen lebensweg   er schreiben würde – lang schon ist er ohne ihn der sein freund wurde   damals war er jung der ehre der einladung noch kaum gewachsen   der meister ahnte vollendeter jüngerschaft winke und zeichen