Beiträge von Johannes Chwalek


Wegmarken mit Heinrich

Wegmarken mit Heinrich Teil 1 von 2   Heinrich war Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Zivildienstleistender an einem Internat seiner Heimatstadt B., wo ich die Schülerjahre verbrachte. Wir beide interessierten uns für Philosophie und Literatur; er mehr für Philosophie als Literatur; ich umgekehrt mehr für Literatur als Philosophie. Die Schnittmenge reichte für häufige […]


abschied

abschied   auch wünschenswertes erstaunliches entschwindet matt gewordnem sinn   noch bemerkst du es noch strebst du nach versöhnung wünschst bestätigung   doch halten – vorbei und aufbauen wie früher wer ist noch bei dir   wirken dabei sein wahrgenommen werden flackt bis zuletzt noch auf


nachgerufen

nachgerufen   zeit zum dankerweis nachgerufen einem mann der anteilnahme   kein mensch einerlei gewinnender forderung nach dem geist, der tat   im weg-charakter philosophischen denkens und der weisung drin   bleibt er uns voraus bis zum gastmahl dereinst, wenn wir erneuert sind  


Feldpostbriefe, letzter Teil

Feldpostbriefe Erzählung, letzter Teil   Die Abendaufsicht endet um 22.30 Uhr. Auf dem Weg zu meiner Wohnung im ersten Obergeschoss begegnet mir im Treppenhaus der Rektor, der – nach einem Rundgang an den Schlafsälen vorbei – wie ich ihn kenne, zu seiner Wohnung geht, die sich im zweiten Obergeschoss in einem Vorbau befindet. Er nickt […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, zehnter Teil   Der Andrang der Schüler auf dem Sportplatz ist groß. Alle wollen Speere werfen, Kugeln stoßen und mit den neuen Bällen spielen. Ich muss mir Ruhe verschaffen, um die Sicherheitsbestimmungen bezüglich der Speere und Wurfkugeln zu erläutern. Die beiden Obertertianer, die im Sportgeschäft meinen „Hustenanfall“provozierten, erklären sich sofort bereit, die Wurftechniken mit […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, neunter Teil   Das Abendessen beginnt um 18.30 Uhr. Auf den Tischen steht jeweils eine Platte mit Wurstaufschnitt und Käsescheiben, dazu Brot und Margarine. In großen metallenen Kannen dampft Tee. Wenn der Küchenchef, Herr Zwirlein, gut gelaunt ist, garniert er die Platten mit Gurken, Tomaten oder Kräutern – je nachdem, was ihm zur […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, achter Teil   Die Aufsicht über die Schüler beim nachmittäglichen „Studium“ gehört zu meinen bevorzugten Dienstpflichten. Ich sitze vor den Pultreihen mit 63 Unter- und Mittelstuflern (Sexta bis Obertertia), die in aller Regel diszipliniert ihren Haus- und Übungsaufgaben nachkommen; nur wenige Male muss ich während der gesamten Zeit des „Studiums“ von 15.15 Uhr […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, siebter Teil   Im Bus bilden die vier Jungs, die mir als Träger zugeordnet sind, zwei aus der Obertertia, zwei aus der Untersekunda, sogleich eine Gruppe, sitzen beieinander, tauschen sich aus und lachen viel. Ich gehöre nicht dazu, aber sie akzeptieren mich als denjenigen, der die Fahr- und Gehstrecke zum Sportgeschäft kennt, und […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, sechster Teil   Selbstverständlich zeige ich mich wieder einverstanden mit den Worten des Rektors, obwohl ich beispielsweise seine Äußerung zum Thema „schräge Musik“ für intolerant halte. Heute aktuelle Musikformen wie Foxtrott, Shimmy oder Tango betonen den Rhythmus stärker als die Melodie, was für konservative Ohren anscheinend minderwertig klingt. Allerdings weiß ich, dass der […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, fünfter Teil   Um 13.15 Uhr ertönt das erste elektrische Klingeln des Tages und mahnt die Schüler zur „Vorbereitung zum Mittagessen“, wie es in der Tagesordnung heißt (auf dieses elektrische Signal, das bei der Elektrifizierung des Heimgebäudes mit montiert wurde, ist der Rektor stolz. Ich dagegen hege auch Zweifel: Wohin führt diese Entwicklung? […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Fortsetzung Meine Wohnung besteht nur aus zwei kleinen Zimmern, wovon eines, meine „Schlafhöhle“, ohne Fenster ist, und dazu ist sie noch unvollständig: Es fehlt das Bad. Die Toilette muss ich mir teilen mit Dr. Freitag, dessen etwas größere Wohnung ein Toilettenräumchen aufweist. Als Dr. Freitag nach den Weihnachtsferien die Stelle im Heim von einem früheren […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, dritter Teil   Ich rede Sie in diesem Text an, obwohl ich Sie nicht kenne. Mein Kollege Dr. Freitag kam gestern Abend zu mir und brachte eine Mappe mit Feldpostbriefen Ihres „gefallenen“, bei einem Sturmangriff vor Soissons getöteten Mannes. Er sagte, Sie hätten es eilig gehabt. Vielleicht wollen Sie die Briefe loswerden, vielleicht […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, zweiter Teil   Um sechs Uhr dreißig klingelt mein Wecker, wenn ich – wie heute – Frühdienst habe. Er beinhaltet das Wecken der Schüler um sechs Uhr fünfzig, die Aufsicht darüber, dass sie sich waschen, anziehen, ihre Betten richten, pünktlich um sieben Uhr zwanzig in der Kapelle sind zum Gebet – und dies […]


Feldpostbriefe

Feldpostbriefe Erzählung, erster Teil   Rücksichtsloses Klopfen an meiner Tür! Wie ist das möglich? Ich habe erst übermorgen die Abendaufsicht oder sollte ich mich vertan haben? Ist etwas passiert, das die Störung meiner freien Zeit rechtfertigt? Besorgt und verdrossen zugleich springe ich vom Sessel auf und öffne, nicht ohne vorher noch die Kerze auszublasen und […]