Beiträge von Johannes Chwalek


auf einer deiner

auf einer deiner letzten karten ist die schrift verblasst noch lesbar doch wohin es mit mir wird zeigt sich in aller klarheit  


Sehgewohnheiten

Sehgewohnheiten Im September 1971 verpackte der bulgarische Künstler Christo das Schloss, die Burgruine und Bürgerhäuser des Eifelstädtchens Monschau mit Plastikbahnen. In der Tageszeitung des Internats, die in Glaskästen ausgehängt wurde und die ich im Zeitfenster nach der Rückkehr von der Schule bis zum Mittagessen oder in der Freizeit nach dem Mittagessen bis zum Beginn des […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil III   Wie viel mehr ließe sich sagen, müsste gesagt werden! Während meines letzten oder vorletzten Internatsjahres las ich das Buch „Wir Untertanen. Ein Deutsches Anti-Geschichtsbuch“ von Bernt Engelmann. Die Perspektive von unten, die Engelmann wählte, gefiel mir, sie war zumindest unterhaltsam. Im Laufe der Jahre drängten sich Fragen auf […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil II   Die Moderne beginnt immer. Der Flugpionier August Euler (1868–1957) erhielt am ersten Februar 1910 den ersten Pilotenschein … Angeblich hat der russische Maler Wassily Kandinsky (1866–1944) 1910 in München das erste abstrakte Bild gemalt. Vielleicht war es aber auch erst 1913, und er hat sich die Freiheit zur […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil 1    Ich war drei Jahre und fünf Monate alt, als die Kuba-Krise, wie es heißt, die Welt in Atem hielt. Papst Johannes XXIII. gab sein Bestes, um das Ende der Menschheit in den Blitzstrahlen atomarer Vernichtung durch Gebete, Aufrufe und Diplomatie abzuwenden. John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow ließen […]


Vorbereitungsstunde

Vorbereitungsstunde Für den Ethik-Kurs musste ich das Schiller-Gedicht herunterbrechen. Ich bediente mich bei Schiller, schrieb für die Schüler Aufgaben und Fragen an das Whiteboard: Erkläre das Wort Tugend. Hältst du ein tugendhaftes Leben für möglich? Begründe deine Antwort. Ein Schüler meinte, Tugend bedeute, einer alten Frau über die Straße zu helfen. Eine Schülerin brachte ebenfalls […]


Regietheater

Regietheater Gestern besuchte ich nach einigen Jahren wieder eine Theatervorstellung. Ich hatte befürchtet, dass mich die gleiche Atmosphäre umfangen könnte, die mir damals schon missfallen hatte hinsichtlich der Mittel der Inszenierung, worunter ich Eingriffe in das Stück und das Gebaren der Schauspielerinnen und Schauspieler verstehe. Damals war es „Hamlet“ gewesen, gestern „Kabale und Liebe“. Meine […]


Nach Adalbert Stifter

Nach Adalbert Stifter   Am andern Morgen stand ich sehr früh auf und ritt, als noch der Tau lag, am Bach entlang. Das Wasser rollte über Steine und an den Gräsern hin.  


Curriculum Vitae

Curriculum Vitae Nach Adalbert Stifter   Schöne gestrickte Unterleibchen, Strümpfchen und Ärmlein besaß ich. Außer dem Nutzen führten sie schöne rote Streifchen.   Mein Hofmeister war ein sehr ordentlicher Mann, in Gehörigkeit sollte alles geschehen, als einem Zwecke an sich.   Sinnend und grübelnd war ich, vorm Spazierengehn bürstet‘ ich die Kapp, legte die Kappe […]


eingedenk deiner

eingedenk deiner   wenn du noch da wärst wäre alles feierlich dass heute meine oberprima in deutsch die abi-vorklausur schreibt   gegen nachmittag besuchte ich dich zum tee du fragtest nach der klausur und wie ich’s halten wolle mit der korrektur   dann sprächen wir von andren dingen städtischen literarischen säßen manchmal auch nur da […]


es war eine zeit

es war eine zeit wo auch der nebel beglückt‘ der feuchte schotter unter meinen schuhen und die halb verwelkten blätter


am ende der zeit

am ende der zeit im konvikt – eine amsel sang ihr abendlied ich spielte ball mit mori blieb immer ein konviktler  


ein baum schon entlaubt

ein baum schon entlaubt wie mir deine stimme fehlt jetzt zum beispiel beim deutsch-abitur du würdest lesen mich bekräftigen  


Besuch

Besuch Erzähl-Fragment, Teil 2   Beim Frühstück trat erst einmal wieder die alte Stimmung auf: beherrscht von den inneren Lasten Saskias. Das sichtbare Zeichen dafür war der Smalltalk, der sich ergab: Ach, Pflaumenmus mag ich ab und zu ganz gerne. Aber Wurst und Käse zum Frühstück, das geht nicht bei mir. Bei mir schon usw. […]


Besuch

Besuch Erzähl-Fragment   Lina kündigte mir fürs Wochenende Besuch an: Saskia, ihre ehemalige Mitreferendarin. Ich überlegte kurz. „Hat die dir nicht ab und zu Tipps gegeben?“ „Ja. Das Examen hat sie mit Eins bestanden.“ Oh, dachte ich und stellte mir eine agile Person vor, geistig und körperlich. Aber Lina sagte, dass es Saskia nicht gut […]


vor dem herbst sitz ich

vor dem herbst sitz ich wie ein schüler in der bank betrachtung lehrt er ihre verzauberung sei schönstem neuem frühling gleich  


die hohen decken

die hohen decken der großen säle anders ging mein atem – dass ich ihn mir zum meister nehm wieder der bin der ich war  


cupido dein pfeil

cupido dein pfeil ist legion sichre sache ich zieh ihn heraus betrachte ihn und denke mir geschichten dazu aus