Beiträge von Richard Wisser


Beides in Einem

Beides in Einem   Klang eröffnet Raum, Sinn erschließt die Zeit, Einzigeines spurt alles weit und breit.   Nicht Wechsel, noch Tausch, Verhältnis, Verhalt, statt einzelnes Je die Ursprungsgestalt.   Nur Klang, nur Sinn? Sinn, der nicht klingt, Klang, der nicht sinnt: Zwiespalt entspringt.   Allenthalben dies Zerbrechen, auseinander statt Entsprechen.   Singsang und Klingklang, […]


Das Unerhörte

Das Unerhörte   Seit alters die Sage ebnet die Wege. Auch regelt der Spruch gar manche Beziehung.   Doch Ungesagtes hält alles in Atem. Wer hört sie, stimmt an die Unaussprechlichkeit?  


Damokles

Damokles   Längst ist, der am Kreuz gehangen, heimgegangen. Erlöst blieb zurück, was menschlich.   Zwar trägt jedes Kreuz sich leichter, herzerweichter. Gewalt triumphiert noch immer.   In Furcht ist der Mensch jetzt eben um sein Leben, erschrickt, sieht im Fadenkreuz – sich.


Wann löst sich das Los?

Wann löst sich das Los?   Wir sind auf dem Weg, solange wir atmen, und bricht unser Auge, stürzt ab jeder Steg.   Dann wachsen uns Flügel. Zurück bleibt der Welt Geschiebe und Zwang, der Grabstätten Hügel.   Ist’s Einbildung nur? Mir zuckt’s in den Füßen. Doch spürt meine Sehnsucht ganz andere Spur.   Da […]


Wohin auch soll man sich wenden?

Wohin auch soll man sich wenden?   Es rücken zusammen die Dinge im herbstlichen Licht. Noch strahlen sie, glänzen in Farben, doch wittern Verzicht.   Wohl kehren sie tröstlich dem Auge Lebendigkeit zu. In sinkender Sonne ein jedes spürt Trennung im Nu.   Erschauernd gerinnt selbst was ragend, verliert an Gewicht, zerfällt an ihm selbst […]


Wie sich entziehen?

Wie sich entziehen?   Allerorts Plaudern, Worte, gekräuselt, grundlos, Sprache verläppert.   Sprüche, verhuschte, Wider und Für belanglos, Heikles entheikelt.   Pausenlos Wortschwall, sprunghaft, mal dieses, jenes, Zugluft und Durchzug.   Endlos Gesprudel, schwemmender Redensarten flottes Palavern.   *   Obendrein Bild-Funk, laufend ins Bild Gesetztes. Noch? Schon gewesen!   Optik als Abfluss, Bilder-Konfetti-Regens Gully, […]


Metaphorisches

Metaphorisches   Antworten prasseln wie Regentropfen auf die Pfade des Trotts.   Ab und zu bildet der Aufprall Blasen, Fragen auf dem Asphalt.   Doch kaum gewonnen, zerplatzt die Spannung, endet, was sich gebläht.   So wird kein Fragen nach neuen Himmeln fündig, höhlt nichts den Stein.   So wird kein Sagen von Schlünden und […]


Wortwechsel

Wortwechsel   Worte weisen um die Wette, die nach oben, unten die, rechts und links, nach vorn und hinten, kunterbunt wie’s Federvieh.   Drücken ein und drücken aus, nennen, meinen, definieren, bringen ans gewünschte Ziel, sind uns Brücken zum Flanieren.   Dichters Wort birgt solche Kräfte, die der Kern der Frucht verleiht, steht für sich, […]


Wo nichts mehr geht, lauert der Tod

Wo nichts mehr geht, lauert der Tod   Alles geht in diesem Leben. Nichts entgeht der Zeiten Gang. Auch die Räume sich durchdringen. Grenz’ und Anhalt weicht dem Drang.   Anfang, Ende geht von hinnen. Was beginnt, beschließt – ver-geht. Gehen hält die Welt zusammen, macht zugleich, dass nichts besteht.   Welches Bild vermag zu […]


Von Toten lernen

Von Toten lernen   Ihr wart, doch seid noch im Gedächtnis. Wie ihr’s gehalten, bleibt Vermächtnis.   Gesucht, gefunden hat die Sehnsucht, die euch zeitlebens trieb, die Zuflucht. Ihr seid entbunden eures Strebens.   Noch ist, wer blickt, dem Vorn verpflichtet, Zukunft erwartend ausgerichtet.   Doch ihr, ihr Toten, unvergessen, wie ihr das Treiben einst […]


Warten worauf und weshalb?

Warten worauf und weshalb?   Noch wiederholt sich, was war. Doch in den Nächten überfällt uns die Vorahnung dessen, was kommt ohne Wiederkunft, kündigt der Tod sich uns an.   Spüren wir, quälend zumal, was es bedeutet, wenn die Zukunft nur droht, und die Sehnsucht erlischt, weil statt Trennendem Abschied auf immer geschieht.   Keiner […]


Vergeht die Zeit, geht sie vorbei

Vergeht die Zeit, geht sie vorbei   Es stirbt die Zeit, stirbt vor sich hin. Und immerzu, Tag aus Tag ein, vergeht, was kommt, verkommt, was geht.   So spielt sich ab merkwürdig Ding: Zeit geht und bleibt, vergeht und währt, entschwindet, kommt, läuft ab, verläuft.   Da bleibt, was stirbt, steht, was vergeht, hält […]


Gibt’s nur das Leben und nichts außerdem?

Gibt’s nur das Leben und nichts außerdem?   Was anfängt, endet, es hat seine Zeit. Sei nicht verblendet, bald ist es soweit! Man sagt: hinüber. Was geht, geht vorbei, rasch ist’s vorüber, es sei, was es sei! * Doch ist das Leben das einzige Sein? Endet sein Streben im Nichts und im Nein? Was uns […]


Im Umkreis des Diesseits

Im Umkreis des Diesseits   Gilt’s zu beschwören, wohin wir gehören, wer nennt den Ort, winkt gar von dort?   Was wir erstreben, bekümmert erleben, schmerzt uns, entzückt, wenn es uns glückt.   Fernes erreichen, Bedrängnis entweichen, hier oder dort, wegwärts vor Ort.   *   Halten zum Narren uns Hoffen und Harren, Warten worauf, […]


Zeit bringt das Sein aus dem Blick

Zeit bringt das Sein aus dem Blick   Das Zeitliche drängt all unserm Sinnen sich auf, verleitet den Blick.   Die Zeit dominiert, sie bannt, belegt mit Beschlag, verbirgt uns das Sein.   Kein Nu bleibt vor Ort. Längst ist gewesen, was war, was ist, ist vorbei.   Die Zeit läuft davon, hinter sich her […]


Zeitlichkeit endet

Zeitlichkeit endet   Sterbliche sind wir, sterblich zeitlebens. Tod, unser Pate, nennt uns beim Namen. Mit der Geburt beginnt, was wie die Sanduhr rinnt.   Leben ist tödlich. Zeugende züchten immer aufs neue endloses Enden. Niemand entgeht dem Tod, der uns tagtäglich droht.   Trauer befällt den sehenden Menschen, der sich der Einsicht stellt und […]


Gezieltes Begreifen

Gezieltes Begreifen   Nicht dies oder das, mal so und mal so, sondern ganz und gar, ohne Wenn und Aber!   *   Statt Hin und Her nach Laune und Gunst und statt hü und hott Begriffe, die greifen.   Das Wort, nicht den Mund zu halten, tut Not, und die Tat hat nichts zu […]


Begreift es hienieden

Begreift es hienieden   Oft meint, wer an sich denkt, das Ansich zu treffen, und hält, was für ihn spricht, für unübertrefflich.   Dagegen: Wer bin ich, erfragt, wer für sich bleibt und einzig im Fürsich ein Sein für erschöpft hält.   Im Anundfürsich erst kommt zu sich ein jeder, zu sich und dem Andern […]