VERSCHLUNGENE PFADE


Thomas Berger
VERSCHLUNGENE PFADE
Heinrich von Kleist und das Lustspiel „Der zerbrochene Krug“
̶  Auszüge aus dem Vortrag vom 15. März 2024  ̶

Mit Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (1777-1811) – so der vollständige Name – begegnen wir einem weit verzweigten pommerschem Adelsgeschlecht. Wir befinden uns in Frankfurt an der Oder. Sein Vater, Joachim Friedrich von Kleist (1728−1788) ist Kompaniechef eines Infanterieregiments. Die Mutter heißt Juliane Ulrike, geborene von Pannwitz (1746−1793).

Als Heinrich von Kleist 10 Jahre alt ist, stirbt der Vater. Er wird im Haushalt des Predigers und Pädagogen Samuel Heinrich Catel (1758−1838) erzogen. Catel vermittelt ihm mutmaßlich die französische Sprache und macht ihn mit den Autoren der Klassik und Aufklärung bekannt. 1792 tritt er in das Potsdamer Garderegiment ein. Im Jahr darauf stirbt die Mutter. 1799 gibt Kleist den Militärdienst auf, besteht die Reifeprüfung und studiert drei Semester Physik, Mathematik, Kulturgeschichte, Naturrecht und Latein an der Alma Mater Viadrina in Brandenburg. 

Ein Jahr später verlobt er sich mit der Generalmajorstochter Wilhelmine von Zenge (1780−1852), die allerdings 1803 ein Verlöbnis mit dem Philosophen Wilhelm Traugott Krug(1770−1842) und 1804 die Ehe mit ihm eingeht. Kleist lebt fortan in Berlin und bereitet sich auf den Staatsdienst im Fabrikwesen vor. 1802 erfolgt die endgültige Trennung von Wilhelmine von Zenge. 1805 arbeitet er zunächst im Finanzdepartement und dann an der Domänenkammer. Er ist häufig krank und muss deshalb im Jahr darauf einen sechsmonatigen Urlaub nehmen.

[ … ]

Welchen PERSONEN begegnen wir in den dreizehn Auftritten, die Kleist „in einem niederländischen Dorfe bei Utrecht“ spielen lässt, wie es im Text heißt. Da sind zum einen der Dorfrichter Adam und sein Schreiber Licht sowie der Gerichtsrat Walter, zum anderen Frau Marthe Rull und ihre Tochter Eve, sodann der Bauer Veit Tümpel und sein Sohn Ruprecht, ferner Frau Brigitte, ein Bedienter, Büttel, Mägde usw. – so das Personenverzeichnis.

Die HANDLUNG spielt sich folgendermaßen ab. Es ist Gerichtstag. Am Morgen  ̶ Herr Winter und ich haben anfangs schon darauf eingestimmt  ̶  verbindet sich der klumpfüßige Dorfrichter Adam in seiner Wohnung ein Bein. Auf die Frage seines Schreibers Licht, was denn geschehen sei und wann sich das Missgeschick zugetragen habe, erklärt Adam:

Jetzt, in dem Augenblick, da ich dem Bett
Entsteig. Ich hatte noch das Morgenlied
Im Mund, da stolpr‘ ich in den Morgen schon,
Und eh ich noch den Lauf des Tags beginne,
Renkt unser Herrgott mir den Fuß schon aus.

Licht ergeht sich in Andeutungen über den wahren Hintergrund des Vorfalls, den er kennt.

[ … ]