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INSEL-ERLEBEN

Thomas Berger INSEL-ERLEBEN10 Haiku (Teil 2) Taglang und nachtlang /  wölbt sich Woge um Woge – / jede ist einzig. Wind aus Nordosten, / der du den Strandhafer biegst, / sei mein Gefährte! Nebeneinander: / Spuren von Mensch und Möwe – / wie einst in Eden. Unter Sternenlicht / im morgendlichen Dunkel / das Schimmern […]


eilen zum konvikt

eilen zum konvikt   vom regen geweichter boden kalte feuchte luft und erster vorweihnachtlicher schmuck in fenstern an fassaden das ist november-art lächelte der prä mir zu dass du ohne jacke gehst birgt die gefahr der krankenstube legst du wert auf solche auszeit doch will ich dir nicht dreinreden was mich betrifft: immer rascher folgt […]


INSEL-ERLEBEN

Thomas Berger INSEL-ERLEBEN10 Haiku (Teil 1) Ein herber Zauber:beständiges Wellenspiel – November am Meer. Des Asphalts müdeden Füßen Wohltat spenden:Stunden am Sandstrand. Im Licht Auroraskehrt der Fischkutter zurück –mit Meeresschätzen. Bedeckter Himmel,doch am Abendhorizontein Streifen Orange. Fußspuren im Sand,bedeutungslos für die Flut,künden noch von dir. Ganz nah sind wir uns,würzig dein Duft, kalte See –möcht […]


wind im gesicht

wind im gesicht   wind im gesicht erstiegen wir den kirchberg tief hingen die wolken fast schwarz zwei falken flogen über uns der prä zeigte auf blätter rötlichbraun grün mit gelben und braunen placken wohin gehen wir es kommt die stunde des abschieds wir wissen sie zuinnerst und du anders als ich ein leben lang […]


GEORGE X

Thomas Berger GEORGE X Alleinwarst du nichtDichterSeherauf Gipfelndes Geistes Fahnevon FernenumgebenEiner ahnteWindedie kommen Sättigteure Seelenan Plutarchrietdie andereazurne Einsamkeit


GEORGE IX

Thomas Berger GEORGE IX Balancesuchtest dunicht zu erlangenzwischen Seeleund Verstand Höhereserstrebtest dufeines Gespürrauschhaftfür das Unendliche


dahingegeben

dahingegeben und dann in der garstigkeit nur dieser adel  


GEORGE VIII

Thomas Berger GEORGE VIII Es istals kehre wiederdie aufgeregte Zeitdes Abendsvor dem Großen Krieg Abfallvon menschzu larvegar mordam leben selbst Die Erdebrenntin Osteuropaund im Küstenstreifenaus Sand und Dünen Zu jubeln ziemt nicht:kein triumf wird seinNur viele untergänge ohne würde


Gespräch im Konvikt

Gespräch im Konvikt   „Andre Epochen dachten und fühlten anders“, sagte uns der Prä. „Nehmen wir den Wald – was geht euch durch den Kopf beim Wort ‚Wald‘?“   „Ein Ort zum Wandern, um gute Luft zu atmen“, antworteten wir. „Schön!“, meinte der Prä. „Stellt euch nun das Mittelalter vor,   was sagt‘ ein Mensch […]


GEORGE VII

Thomas Berger GEORGE VII Ein Landvon urduft und demantnen ähren Ein Landder würde und der weihe Ein Land der sehnsucht und erhörung Ein Landvon göttern stammet Elysiumim Aug des Sehers


szene am konvikt

szene am konvikt   der regen hat dem sandplatz des konvikts den fußball weggesperrt auch verkünden braungelbe und braunrote blätter auf dem platz eine ruhezeit – ich streife auf den leeren wegen und trage gern ein buch mit mir obgleich ich hier draußen kaum darin lese oft besuche ich meine freunde die goldfische wir reden […]


GEORGE VI

Thomas Berger GEORGE VI Lang wägst dudie Worteprüfst KonsonantenVokale Dein atemnichtunser AtemDein schwannicht unser Schwan BefreistBegriffevom ihrem Sinnwebsteinen Teppichaus Klang Strebstnichtnach gelahrtheitwillstmit Gedichtenberauschen


„Sind alte Leute fromm?“,

„Sind alte Leute fromm?“, fragten wir den Prä. „Wer seine Kräfte schwinden fühlt, spürt die Macht, in der er steht. Warum sich diese Macht nicht in Gott denken?“, fragte uns der Prä.    


GEORGE V

Thomas Berger GEORGE V Entschwundene Zeitenerkorst du zu neuenGeistlos schien dirdie Gegenwart Formtestnach klassischem VorbildDantewolltest du sein Hellasgalt deine LiebeDer Olympwar dein Ziel


Ist das der Herbst?

Ist das der Herbst?“, fragt‘ der Prä. „Ja“, sagt‘ ich lächelnd. „Woran erkennst du’s? An der Jacke, die du trägst?“ „Wie sich alles sehnt nach Ruh!“  


GEORGE IV

Thomas Berger GEORGEIV Das Sehnen nach ergebner ScharErwuchs aus deiner Einsamkeit Ein Bündnis ordensgleichIm Dienst der Dichtung und des Eros Dein stolzer SinnTrieb dich auf eisig Höhen Du warst der fergeSie die Pilger Hoch throntet ihrFernab von lauten horden Du nährtest sieMit deinem Wort und deinem Kuss Entflammtest sieFür deines Geistes Reich


Ein milder Abschied

Ein milder Abschied hat uns eingeholt. Freundlich lächelt das Jahr; entrückt scheint es dir und erschüttert dich?