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MIT PAUL GERHARDTS LIEDERN DURCH DAS JAHR, 2018

    Thomas Berger MIT PAUL GERHARDTS LIEDERN DURCH DAS JAHR, 2018 (Auszug) Paul Gerhardt, der Schöpfer zahlreicher Gedichte und Liedtexte, lebte in der Zeit des Barock. Die Bezeichnung eines bestimmten Stils in der europäischen Kunstgeschichte wurde auch für die Literatur des 17. Jahrhunderts verwendet, also für die Epoche zwischen dem Ende von Renaissance und […]


Es war eine Zeit

Es war eine Zeit, wo im Speisesaal unser Geschirr klapperte. Der Kameraden denk ich, allein vor meinem Teller.


WEGE

Thomas Berger, aus:Am Wegesrand. Einkehr im Garten der Worte. GedichteEdition Märkische LebensArt Storkow (Mark), 2017, S. 158   WEGE   Wäre der Boden aus Sand über den das Leben mich führt   und wäre der Boden aus Sand über den das Leben dich führt   blieben wo immer ich geh   blieben wo immer du […]


besäß‘ ich alles

besäß‘ ich alles deine alte wohnung die freiheit nach meiner façon um glück zu werben fehlt‘ mir immer etwas: du  


HAIKU AM MEER

Thomas BergerHAIKU AM MEER Abenddämmerung.Durch die Föhren streicht der Wind,atmet Ewigkeit. Dem Wellengesang,den Rufen der SeevögelHand in Hand lauschen. Ein Tropfen im Meerist wie ein Mensch in der Zeit:namenlos beide. Im Dünenhafermahnt uns das Möwenskelett, nichts zu versäumen. Mit nackten Füßen schlendern wir im Wellensaum – kein Wunsch mehr offen. Die Flut spült sie fortunsere […]


siebziger ade

siebziger ade   die vw käfer kassetten plattenspieler große hemdkragen   die bunten kleider großflächige tapeten rot und schwarz und gelb   der körper spielt‘ mit zwei stufen gern auf einmal haar wippt‘ schulterlang   die lehrer rauchten im lehrer-raucherzimmer bald pflegte auch ich   edlen pfeifenschmauch das leben lag noch vor mir siebziger ade […]


die blaue stunde

die blaue stunde in der abenddämmerung nimmt dir die larve vom gesicht – schwebender hauch kaum noch rührt dein fuß den grund  


ÜBERSCHRITT

ÜBERSCHRITT Zeitenwind trägt was wir geschaffen hinweg   Erdenreich macht was wir gewesen zu Staub   Bleibt nur das Wort


der sommer der mich

der sommer der mich trägt geschah in meinem lenz vereintes leben rann in freudigem lauf zu des himmels brennendem blau  


wir wähnten uns frei

wir wähnten uns frei von früheren krankheiten und alten kriegen bis die vergangenheit sich unsrem starren blick empfahl  


AUSLEIHE

Thomas Berger  AUSLEIHE   Kennen Sie dieses mulmige Gefühl, wenn Sie wieder einmal entdecken, dass in Ihrer mit Leidenschaftaufgebauten, wohlgeordneten Bibliothek eine Lücke klafft? Nein, ich meine nicht die durchaus desÖfteren schmerzlich festzustellende Tatsache, ein interessantes Buch nicht erworben zu haben, sondern den Umstand, dass Sie zwar – juristisch gesprochen – Eigentümer gewisser Bände sind, […]


von ferne steh ich

von ferne steh ich wenigstens der zeichenstift sammelt wirklichkeit euch ihr farben weis ich an sprüht in alle himmel ein


wahrhaftig: das bild

wahrhaftig: das bild des dichters fesselte mich  dir konnt ich’s sagen schenktest mir die ablichtung friedrichschillersiegfriedschramm


HAIKU IM LENZ

Thomas Berger HAIKU IM LENZ   Die Frühlingssonne,der Vögel Jubelstimmen –wie ein Versprechen. Das Glitzern des Tausüber dem Sternmoospolster –beinahe schmerzlich. Die Kranichfederkündet von eurer Rückkehr,ihr Boten des Glücks.


MAIENFÜLLE

Thomas Berger   MAIENFÜLLE   Es waren Tage fliederduftig rosenreich die uns ein gütig Los beschert   Wir wuchsen ineinander wie zwei Hälften eines Ganzen das uns auf ungeahnte Wege führt


langsames verwehn

langsames verwehn die jungs dort kicken den ball der hund mir zur seit‘ die junge frau mit dem kind sieht mich wegen des hundes    


was der frühling heißt

was der frühling heißt: dass blüten und blätter sich übers land hinstreun ich betrachte die szene – einmal war sie eins mit mir    


UNTER STERNEN

aus:Thomas Berger, Am Wegesrand. Einkehr im Garten der Worte. GedichteStorkow (Mark) 2017, S. 66   UNTER STERNEN Ich greife nicht nach den Sternen   will lieber tasten dein Haar   Ich greife nicht nach den Sternen   will lieber atmen das Meer   Ich greife nicht nach den Sternen   will lieber rasten im Wort