Blog


Die Mieterin

Ein Gastbeitrag von Elke Orlac Heute stelle ich eine Kurzgeschichte der Autorin Elke Orlac vor. Sie wird bald ihren ersten Roman „Louise, Hofnärrin zu Weimar“, erscheint im Scholastika Verlag, vorstellen. Hier eine Kostprobe ihrer Schreibkunst.     Die Mieterin Nach dem Lärm trifft sie die plötzliche Stille. Sie hört ihre Atemzüge, den Luftstrom aus ihrem […]


Die gravierte Uhr

Die gravierte Uhr   ich bin leider nicht die hellste kerze auf der torte das ist nichts was ich leicht verschmerze warum noch worte? nur ich wie ich umgeh mit meinen kleinen lächerlichen problemen also alles nicht irgendwie zu oder überhaupt ernst nehmen – versuch und irrtum versuch und irrtum da gibt es kein vertun […]


nachgerufen

nachgerufen   zeit zum dankerweis nachgerufen einem mann der anteilnahme   kein mensch einerlei gewinnender forderung nach dem geist, der tat   im weg-charakter philosophischen denkens und der weisung drin   bleibt er uns voraus bis zum gastmahl dereinst, wenn wir erneuert sind  


GEDULD ALS NACHFOLGE

GEDULD ALS NACHFOLGE   Geduld − was ist das? Ist sie eine Frucht des göttlichen Geistes, wie wir im Galaterbrief, Kapitel 5, Vers 22 lesen, oder das Resultat eines Tricks, mit dem eine Herrschaft uns aufruft, alles und jedes zu erdulden, wie der Schriftsteller Johann Gottfried Seume meinte, der sich im 18./19. Jahrhundert gegen klerikale und […]


CARING FOR YOU

CARING FOR YOU   I tell you I care for you, which must seem to you at first (both because it is and because it isn’t) a lesser thing than saying I love you. For, in caring for you, I offer you-not necessarily the ambiguous and dangerous eros of my passions (which we both equally fear […]


Feldpostbriefe, letzter Teil

Feldpostbriefe Erzählung, letzter Teil   Die Abendaufsicht endet um 22.30 Uhr. Auf dem Weg zu meiner Wohnung im ersten Obergeschoss begegnet mir im Treppenhaus der Rektor, der – nach einem Rundgang an den Schlafsälen vorbei – wie ich ihn kenne, zu seiner Wohnung geht, die sich im zweiten Obergeschoss in einem Vorbau befindet. Er nickt […]


KEEPING THINGS WHOLE

KEEPING THINGS WHOLE   „In a field,“ poet Mark Strand has written, „I am the absence/ of field… I move/ to keep things whole.“ And who-fearful, abandoned, pre-emptive, trembling, has not used their absences to „keep things whole?“ But this not-presence as a way of keeping ourselves together, a way of insisting on the self […]


Mir ist müde

Mir ist müde leben jung sterben schnell in ner iris berben welt hab ein haus in paris deine eltern sagen trotzdem ich bin keine gute partie wer tat sich beim schopf nehmn hauptsache dass du mich liebst die andren sind mir nichtig leben jung sterben schnell was für „materialistisch“ NEIN der tag wird wieder hell […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, zehnter Teil   Der Andrang der Schüler auf dem Sportplatz ist groß. Alle wollen Speere werfen, Kugeln stoßen und mit den neuen Bällen spielen. Ich muss mir Ruhe verschaffen, um die Sicherheitsbestimmungen bezüglich der Speere und Wurfkugeln zu erläutern. Die beiden Obertertianer, die im Sportgeschäft meinen „Hustenanfall“provozierten, erklären sich sofort bereit, die Wurftechniken mit […]


Schreiben, was gesund macht – literarische Produktivität in Krisenphasen

Schreiben, was gesund macht – literarische Produktivität in Krisenphasen   Wenn alles fluppt, dann fließt auch die Feder. So sagt man es jedenfalls. Wie aber hält man in längeren Phasen des Misserfolgs oder des Stillstands durch? Gerade dann ist es wichtig, weiterzuschreiben, denn Schreiben weckt selbstheilende Kräfte und diese wiederum ebnen den Weg zu neuem […]


THE SOMBER AND THE SERIOUS

THE SOMBER AND THE SERIOUS   How deeply we would like, in our heart of hearts, as the poet Stephen Dunn has written, „to take the somber out of the serious!“ Yet, as is so often the case, the semantic error becomes the emotional one, so that instead of reflecting the greater wisdom (that the […]


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, neunter Teil   Das Abendessen beginnt um 18.30 Uhr. Auf den Tischen steht jeweils eine Platte mit Wurstaufschnitt und Käsescheiben, dazu Brot und Margarine. In großen metallenen Kannen dampft Tee. Wenn der Küchenchef, Herr Zwirlein, gut gelaunt ist, garniert er die Platten mit Gurken, Tomaten oder Kräutern – je nachdem, was ihm zur […]


zur farbe

zur farbe ist das wer wir sind bitte lieb mich ganz weil soviel kalter wind weil sowenig und zerinnt ja alles ergibt sich das ist unser erster tanz gib mir deine hand gestern ist der komparativ von tot jungdumm sag ich das hoffnungsfroh reich mir die krone ich kann nicht ohne ja ich bin ein […]


Clash of cultures — reloaded

Clash of cultures — reloaded 06.04.2019, Fortsetzung I   Und weiter: der rechtsextreme Terminus „The Great Replacement“, der ursprünglich auf eine französische Verschwörungstheorie zurückgeht, hat schon längst weltweit in rassistischen Gedanken-Netzwerken Einzug gehalten und ist dort sowohl zu einer allgemein geglaubten, ideologischen Prophezeiung als auch zu einem unumstößlichen Diktum geworden. In den Köpfen der Rassisten […]


IM GLÜCK

    IM GLÜCK   Lächelnd empfängt mich dein Auge   mein Morgen   Schirmend wärmt mich dein Herz   mein Tag   Schweigend spricht mir dein Mund   mein Abend     aus: Thomas Berger, Am Wegesrand. Einkehr im Garten der Worte Edition Märkische LebensArt Storkow (Mark) 2017, Seite 182


Feldpostbriefe, Fortsetzung

Feldpostbriefe Erzählung, achter Teil   Die Aufsicht über die Schüler beim nachmittäglichen „Studium“ gehört zu meinen bevorzugten Dienstpflichten. Ich sitze vor den Pultreihen mit 63 Unter- und Mittelstuflern (Sexta bis Obertertia), die in aller Regel diszipliniert ihren Haus- und Übungsaufgaben nachkommen; nur wenige Male muss ich während der gesamten Zeit des „Studiums“ von 15.15 Uhr […]