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MORGENFELS

  Thomas Berger, MORGENFELS. Prosa-Miniaturen Kelkheim 1993, Seiten 28, 33, 50 und 57   Ein kalter Herbsttag. Sturm beugt den Sanddorn. Am Horizont trauern die Wolken. Von Süden fällt Sonnenlicht ein. Der alte Gott malt noch einmal den Bogen.   Kostbare Worte sind scheu wie ein wildes Tier. Sie werden im Schweigen geboren und kehren […]


wolkenthrone

wolkenthrone   wir changieren jetzt als sohn bin ich dein vater schaue zu dir auf   neues, schönes wort das gespräch gefällt wie nie lächelnd konjunktiv   ein beter warst du zu den wolkenthronen dorthin geh ich jetzt   den tod besiegen wie es echter freundschaft ziemt nach dem alten wort


SOZUFRAGEN

SOZUFRAGEN   Es gibt Fragen, die ein ganzes Leben lang, uns aufgegeben, sie zu stellen in der Hoffnung, dass uns Antwort jemals wird gegeben.   So zu fragen, harrend der Entsprechung, fordert langen Atem, warten können, aufgeschlossen, unverdrossen auf der Suche bleiben.   Was das heißt? – Wie lang gesuchte Reime, deren Ton und Klang […]


Schnurrgebart

  Schnurrgebart   Kragen weiten Mütze gleiten Kussgestirn Streichelzwirn Kuschelmaschen Zellennaschen Schnurrgebart Lippenzart Herzesnase Liebesphase Schulter stehn Augen sehn


TOUCHED

TOUCHED   It occurs to me, working occasionally as a therapist as I do and attempting to honor the frequently simple‑minded „ethics“ of that profession (and of academic life as well), how unnatural‑‑ indeed, violative of natural human affinities‑‑ such ethics are, their perversity extending to the core of language itself. For is it any […]


IN STEIN GEMEISSELT

    Thomas Berger: IN STEIN GEMEISSELT. Aphorismen, Kelkheim 2014 Auszug, Seiten 20, 21, 24, 41, 43   Vertraue ruhig dem Denken anderer, aber überlasse es ihnen nicht. * Gepriesen der Mensch, dessen Geist –dem Bergkristall gleich –zu Klarheit emporwächst. * Wenigstens die allerletzten Worte an einen Sterbenden sollten wohldurchdacht sein, damit sie als Wegzehrung […]


schlage den funken

schlage den funken   in wüsteneien noch so ungläubiges schaun so und schlimmer noch   das umgreifende greift es unter die arme hinfälligem fleisch   durch den geist befrein die begrenzte möglichkeit letztes geheimnis   schlage den funken dein schrei sollte genügen in stillem vollzug  


Lange gegangen

Lange gegangen   schatten die überschatten was sie als väter hatten die türme die bogen jeden der stürme um sie herum die türme in denen stumm berät unter led statt glühbirnen vor Bildschirmen per email ein mensch wie du und ich einen menschen wie du und ich hab angst angst zu haben und jeder tag […]


NACH EPICHARM

NACH EPICHARM   Gelenke hat auch der Geist, wenn er spurt. Nüchternheit führt ihn. Misstrauen übt er.   *   Bei Licht besehen: Alle Menschen sind von Natur – Bälge, aufgeblasene.   *   Du meinst, du seist im Reden mächtig, und bist doch einzig nicht fähig zu schweigen.   *   Denken, wenn es […]


Mittelamerika in Bewegung # 2

Mittelamerika in Bewegung # 2 03.11.2018   Trump hasst das Land, das ihn selbst und seine Mischpoke erst reich und mächtig gemacht hat. Er selbst, der pfälzer Parvenü, mit den Immigranten-Genen, hat folglich mehr gemein mit dem heutigen „Marsch der Siebentausend“, als ihm lieb sein kann.   Denn: Was wäre wohl geschehen, und mehr noch: […]


Mittelamerika in Bewegung # 1

Mittelamerika in Bewegung # 1 03.11.2018   Den Preis der Globalisierung, den die Armen mit Armut, Ungerechtigkeit und Ausbeutung bezahlen, setzt diese verzweifelten Menschen in Richtung „Gelobtes Land“ in Bewegung, in der falschen Hoffnung, dort einen Job, ein Auskommen, oder doch wenigstens Schutz vor Willkür und organisiertem Verbrechen zu finden.   Trump schickt verbal „15.000 […]


beschreibe die Sinne

    beschreibe die Sinne   beschreibe die Sinne das Pergament diese Tiefe die niemand sonst nennt das Sehen sucht nicht längst es sieht der Kompositorik Vielfalt Lied ist es der Spiegel in Dopplung ganz vollständig Leben in Akzeptanz


HUMUS

  Thomas Berger, HUMUS aus: Aufbruch. Eine Auswahl neuer deutscher Lyrik Czernik-Verlag, Edition L , 2013, Seite 28     HUMUS Ich brauche dieses Einsamsein wie Wasser und wie Brot   Wo niemand meine Wege kreuzt wo Stille mich umfängt   Ich brauche dieses Einsamsein damit mir Worte blühn


erinnrung erblüh!

erinnrung erblüh!   erinnre dich des heldenlieds der alten zeit als der magier   noch mit dir umging im wechsel der dinge und der pflicht des tages   erinnrung erblüh! nenne die frucht holdselig saft der erkenntnis   nach dem kurzen glück als du noch lebtest im land schöner begrenzung


VERTRAU’ NICHT DEN BILDERN!

VERTRAU’ NICHT DEN BILDERN!   Oft streuen Bilder mir Sand in die Augen, zerstreuen den Blick, lenken ab vom Gesicht.   Staunendes Schauen verkommt im Gehabten. Statt Tiefsinn der Welt fesselt Firnis und Ganz.   Oder Konstrukte und Installationen vollführen, gestelzt, ein Debüt der Regie.   Schließ’ ich die Augen, wird’s dunkel im Innern. Erschließt […]


Der weltweite Trump-Effekt

Der weltweite Trump-Effekt 12.10. – 28.10.2018   In ihrer gestrigen Sendung (11.10.2018) fragt Maybrit Illner im Intro u.a., ob Donald Trump ein Vorbild werde (0,51 Min.) sowie eine Gefahr für Europa sei. Nach etwa 10 Minuten wird der Washington-Korrespondent des ZDF, Ulf Röller, live hinzugeschaltet (09:05-14:24 Min.). Röller verweist u.a. auf die Instinkt-Sicherheit Donald Trumps, […]