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Fünfzig Jahre lang

Fünfzig Jahre lang   Fünfzig Jahre lang verwahre ich dein Geschenk. Zwanzig Jahre lang war es ehmals dein Besitz, bis du es mir übergabst.   Nun rücke ich vor in das nämliche Alter, als du dich trenntest von dem schönen alten Buch. Mich zu lösen, obliegt mir.


auf einer deiner

auf einer deiner letzten karten ist die schrift verblasst noch lesbar doch wohin es mit mir wird zeigt sich in aller klarheit  


INSELZEIT. Haiku

INSELZEIT. Haiku Ein Schwarm von Möwenhält Ausschau über Wellen,ehe es dunkelt. Meereswellenschaum.Teile lösen sich im Wind  ̶ ins Freisein verliebt.  Das Jahr erhob sich.Doch sie starb am Dünenrand  ̶  die Silbermöwe. Welch ein Entzücken,und doch: welch ein Erschreckenruft das Meer hervor! Uns ist beschieden,Spuren zu setzen im Sand, die alsbald verwehn. Laufschritt im Spülsaum.Wellen geschickt […]


Sehgewohnheiten

Sehgewohnheiten Im September 1971 verpackte der bulgarische Künstler Christo das Schloss, die Burgruine und Bürgerhäuser des Eifelstädtchens Monschau mit Plastikbahnen. In der Tageszeitung des Internats, die in Glaskästen ausgehängt wurde und die ich im Zeitfenster nach der Rückkehr von der Schule bis zum Mittagessen oder in der Freizeit nach dem Mittagessen bis zum Beginn des […]


„aus der tiefsten Tiefe meines Herzens“ 

Thomas Berger: „aus der tiefsten Tiefe meines Herzens“  ̶  Albert Camus und die Liebe, in: SCHREIBTISCH. Literarisches Journal, Ausgabe 2022,edition federleicht, S. 172-179 ̶  AUSZÜGE  ̶ Im Leben und Wirken des algerisch-französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus, geboren 1913 in Mondovi (Algerien), gestorben 1960 bei Villeblevin (Frankreich), spielte die Liebe immer wieder, wenn auch auf […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil III   Wie viel mehr ließe sich sagen, müsste gesagt werden! Während meines letzten oder vorletzten Internatsjahres las ich das Buch „Wir Untertanen. Ein Deutsches Anti-Geschichtsbuch“ von Bernt Engelmann. Die Perspektive von unten, die Engelmann wählte, gefiel mir, sie war zumindest unterhaltsam. Im Laufe der Jahre drängten sich Fragen auf […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil II   Die Moderne beginnt immer. Der Flugpionier August Euler (1868–1957) erhielt am ersten Februar 1910 den ersten Pilotenschein … Angeblich hat der russische Maler Wassily Kandinsky (1866–1944) 1910 in München das erste abstrakte Bild gemalt. Vielleicht war es aber auch erst 1913, und er hat sich die Freiheit zur […]


VORSCHEIN

Thomas Berger VORSCHEIN                für Johannes C.Mauern der Pflichtkerkern dich ein Du aber ringstnach Atem der Freiheit Ersehnst die Mußeschöpferisch tätig zu sein Manchmal winkt direin gütiger Stern Dann greifst du zum Stifterlebst eine Weile des Glücks Die kündet den Tagda zerfallen die Mauern


Der ganz normale Wahn-Sinn, Teil II

Der ganz normale Wahn-Sinn, Teil II Eine wahrheitsgetreue Schmunzelgeschichte   15.12.2022   — Fortsetzung —   Es ist also Samstagmorgen, der 10.12.2022. Noch sind wir im Zeitplan — alles Geschehen erscheint in trügerischer, wenn auch leicht hektischer Ruhe, denn noch liegt „die Büchse der Pandora“ fest verschlossen auf dem Rücksitz meines „Combo’s“. Noch. Gegen 10:30 […]


Große und kleine Geschichten

Große und kleine Geschichten Teil 1    Ich war drei Jahre und fünf Monate alt, als die Kuba-Krise, wie es heißt, die Welt in Atem hielt. Papst Johannes XXIII. gab sein Bestes, um das Ende der Menschheit in den Blitzstrahlen atomarer Vernichtung durch Gebete, Aufrufe und Diplomatie abzuwenden. John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow ließen […]


AM START

Thomas Berger, Am Wegesrand. Einkehr im Garten der Worte. GedichteStorkow (Mark) 2017, S. 86   AM START   An der Schwelle des neuen Jahres ringen miteinander Hoffnung und Angst   Zwielicht und Grauen Krisen und Kriege weithin in der Welt   Der Ausgang ist offen Doch eines steht fest   Es gibt keine Lösung von […]


Der ganz normale Wahn-Sinn

Der ganz normale Wahn-Sinn Eine wahrheitsgetreue Schmunzelgeschichte   10.12.2022   Es war Samstagmorgen. Lange noch vor Sonnen-Aufgang. Noch schwebte Gottes Geist über den Wassern — oder war es doch nur ein Alptraum aus Versatzstücken, aus teils Bewusstem, teils Unbewusstem, teils unverarbeitetem Unterbewusstem, dessen Bilder über meinem Tages-Bewusstsein schwebte, und Reales, Surreales und Irreales zu einem […]


Vorbereitungsstunde

Vorbereitungsstunde Für den Ethik-Kurs musste ich das Schiller-Gedicht herunterbrechen. Ich bediente mich bei Schiller, schrieb für die Schüler Aufgaben und Fragen an das Whiteboard: Erkläre das Wort Tugend. Hältst du ein tugendhaftes Leben für möglich? Begründe deine Antwort. Ein Schüler meinte, Tugend bedeute, einer alten Frau über die Straße zu helfen. Eine Schülerin brachte ebenfalls […]


Regietheater

Regietheater Gestern besuchte ich nach einigen Jahren wieder eine Theatervorstellung. Ich hatte befürchtet, dass mich die gleiche Atmosphäre umfangen könnte, die mir damals schon missfallen hatte hinsichtlich der Mittel der Inszenierung, worunter ich Eingriffe in das Stück und das Gebaren der Schauspielerinnen und Schauspieler verstehe. Damals war es „Hamlet“ gewesen, gestern „Kabale und Liebe“. Meine […]


AUSKLANG

Thomas Berger   AUSKLANG   Mag auch dem Fluss meines Lebens zu münden beschieden sein   In Weltenraums Tiefe oder klanglosem Nichtsin fremder Allmacht oder erdigem Boden   Ich werde mich bergen an anderer Statt in liebenden Augen deinem kosenden Mund    


Nach Adalbert Stifter

Nach Adalbert Stifter   Am andern Morgen stand ich sehr früh auf und ritt, als noch der Tau lag, am Bach entlang. Das Wasser rollte über Steine und an den Gräsern hin.  


Curriculum Vitae

Curriculum Vitae Nach Adalbert Stifter   Schöne gestrickte Unterleibchen, Strümpfchen und Ärmlein besaß ich. Außer dem Nutzen führten sie schöne rote Streifchen.   Mein Hofmeister war ein sehr ordentlicher Mann, in Gehörigkeit sollte alles geschehen, als einem Zwecke an sich.   Sinnend und grübelnd war ich, vorm Spazierengehn bürstet‘ ich die Kapp, legte die Kappe […]