Vogelzug
Vogelzug 22.11.2018 Fallende Rosenblätter, schrundige Zierquitten — der heiser-gellende Schrei ziehender Kraniche kündet den nahenden Winter an.
Vogelzug 22.11.2018 Fallende Rosenblätter, schrundige Zierquitten — der heiser-gellende Schrei ziehender Kraniche kündet den nahenden Winter an.
Thomas Berger, DAS ZEPTER DER NYX. Materialien zum Lobpreis der Nacht Kelkheim, 1998, Seiten 13, 20 und 108 Nachtbläue und Tag wechseln beständig im Erdkreis. Das harmonische Schauspiel der Natur zu betrachten und nach Art der Wissenschaft zu zergliedern, genügte den Alten nicht; sie gelangten vielmehr zu dessen Deutung: Die Nacht geht dem Tag […]
umsonst brünstig die arme in den abend zu strecken war der jugend teil war’s nicht der beste? im hamsterrad denkt der mensch dass er’s gewesen sinnt auf den ausweg und entwickelt ideen von ferne schöne die tat stünd anders im einschlafen denkt der mensch noch dieses, jenes
Und so meine fehler unverziehen die strohreue alle sachen ausgeliehen perlensäue * erzählen alle lügen presse politiker passanten beamte die ausbrannten lassen uns trügen * die Patrouille hat jeden einzelnen gebracht in die Bredouille in Einzelzellen aufgepasst * für donya du hast keine Ahnung und ich hab keine Ahnung na und wir suchen noch suchen […]
HEILIGE EINFALT, WIE TÖRICHT! Einzig der Einfalt gelingt es, Antwort zu geben im Nu, einfach und ohne die Skrupel, die jeder Rede misstraun. Einfalt spürt, was zugegen, rügt sich in solches, was ist, hält ohne Vorbehalt Einkehr, nimmt ohne Harm, wie es kommt. Folgsam natürlicher Regung, ohne Befehl und Geheiß, lässt sie […]
Rosenblätter & Zierquitten 14.11.2018 In der Schale meiner Hände abgefallene Rosenblätter — im Sterben noch immer betörenden Duft verströmend. Schon verfärbt und verschrumpelt, von braunen Fäulnis-Flecken entstellt, verströmen die kleinen Zierquitten auf meinem Bücher-Regal noch immer den unverkennbaren Duft des vergangenen Herbstes.
Thomas Berger, MORGENFELS. Prosa-Miniaturen Kelkheim 1993, Seiten 28, 33, 50 und 57 Ein kalter Herbsttag. Sturm beugt den Sanddorn. Am Horizont trauern die Wolken. Von Süden fällt Sonnenlicht ein. Der alte Gott malt noch einmal den Bogen. Kostbare Worte sind scheu wie ein wildes Tier. Sie werden im Schweigen geboren und kehren […]
wolkenthrone wir changieren jetzt als sohn bin ich dein vater schaue zu dir auf neues, schönes wort das gespräch gefällt wie nie lächelnd konjunktiv ein beter warst du zu den wolkenthronen dorthin geh ich jetzt den tod besiegen wie es echter freundschaft ziemt nach dem alten wort
SOZUFRAGEN Es gibt Fragen, die ein ganzes Leben lang, uns aufgegeben, sie zu stellen in der Hoffnung, dass uns Antwort jemals wird gegeben. So zu fragen, harrend der Entsprechung, fordert langen Atem, warten können, aufgeschlossen, unverdrossen auf der Suche bleiben. Was das heißt? – Wie lang gesuchte Reime, deren Ton und Klang […]
TOUCHED It occurs to me, working occasionally as a therapist as I do and attempting to honor the frequently simple‑minded „ethics“ of that profession (and of academic life as well), how unnatural‑‑ indeed, violative of natural human affinities‑‑ such ethics are, their perversity extending to the core of language itself. For is it any […]
Thomas Berger: IN STEIN GEMEISSELT. Aphorismen, Kelkheim 2014 Auszug, Seiten 20, 21, 24, 41, 43 Vertraue ruhig dem Denken anderer, aber überlasse es ihnen nicht. * Gepriesen der Mensch, dessen Geist –dem Bergkristall gleich –zu Klarheit emporwächst. * Wenigstens die allerletzten Worte an einen Sterbenden sollten wohldurchdacht sein, damit sie als Wegzehrung […]
schlage den funken in wüsteneien noch so ungläubiges schaun so und schlimmer noch das umgreifende greift es unter die arme hinfälligem fleisch durch den geist befrein die begrenzte möglichkeit letztes geheimnis schlage den funken dein schrei sollte genügen in stillem vollzug
Lange gegangen schatten die überschatten was sie als väter hatten die türme die bogen jeden der stürme um sie herum die türme in denen stumm berät unter led statt glühbirnen vor Bildschirmen per email ein mensch wie du und ich einen menschen wie du und ich hab angst angst zu haben und jeder tag […]
NACH EPICHARM Gelenke hat auch der Geist, wenn er spurt. Nüchternheit führt ihn. Misstrauen übt er. * Bei Licht besehen: Alle Menschen sind von Natur – Bälge, aufgeblasene. * Du meinst, du seist im Reden mächtig, und bist doch einzig nicht fähig zu schweigen. * Denken, wenn es […]
Mittelamerika in Bewegung # 2 03.11.2018 Trump hasst das Land, das ihn selbst und seine Mischpoke erst reich und mächtig gemacht hat. Er selbst, der pfälzer Parvenü, mit den Immigranten-Genen, hat folglich mehr gemein mit dem heutigen „Marsch der Siebentausend“, als ihm lieb sein kann. Denn: Was wäre wohl geschehen, und mehr noch: […]