ZEITGEFÜHL 1


ZEITGEFÜHL

 

Sprühregen

aus trübem Himmel

 

Oben am Waldrand

ein Einspänner

ohne Hast

 

Niemand

begegnet mir

 

Nur

ein knorriger Birnbaum

grüßt still

 

Weither

Glockenschlag

 

Ich bin angelangt

unversehens

in einem anderen Jahrhundert


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Ein Gedanke zu “ZEITGEFÜHL

  • Gudrun Bommert

    Ich sitze trotz des trüben Wetters auf der Gartenbank neben meiner Terrasse. Auf meinen Knien liegt aufgeschlagen der Gedichtband „Inseln im Zeitstrom“ von Thomas Berger. Ich lese das stimmungsvolle Gedicht „Zeitgefühl“. Beeindruckt davon sehe ich vor meinem geistigen Auge die Wiesen und Felder im gedämpften Licht liegen, höre von ferne den Hufschlag der Pferde des gemächlich vorüberziehenden Wagens, erblicke den knorrigen Birnbaum, der im Garten meiner Großeltern stand, genieße das köstliche Aroma der goldgelben Früchte, die im vorigen Jahrhundert – vor langer, langer Zeit − an den Zweigen hingen.
    Langsam steigt die Kälte an meinen Beinen hoch, ich gehe ins Haus zurück, leise, leise, damit die wohltuende Ruhe, die meinen Körper durchströmt, nicht zerstört wird.